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Chiptuning - FAQ - 4


Chiptuning mit eigenem Steuergerät

Aber es geht noch besser: Warum nicht gleich sein eigenes Steuergerät zusammen basteln und tunen? Mit dem frei programmierbaren elektronischen Einspritzung Mega Squirt ist auch dies möglich. Mit TunerStudio MS  und MegaLogViewer gibt es die dazu passende Software kostenlos per Internet, downloadbar auf den Laptop. Die Motordaten können erfasst, angezeigt, analysiert und verändert werden. Die Daten lassen sich individuell anpassen, vielfach anwenden und ändern. Die Software bietet sogar Empfehlungen und eine automatische Korrektur an.

Tunerstudio

MegaLog Viewer

Die grafisch ansprechend gestalteten Benutzeroberflächen von Tunerstudio MS und Megalogviewer können sehr hilfreich beim Bearbeiten der Daten sein (Quelle: Tunerstudio)

Hintergrund Know-How Datensuche

Um Werte im Steuergerät verändern zu können, müssen die Kennfelder bekannt sein, um diese selbst, Sensorparameter oder Aktor-Ansteuerungen zu verändern. Aber zunächst gilt es diese zu finden und einer Funktion zuzuordnen, bevor sie dann so verändert werden bis das gewünschte Endergebnis erzielt wird. Und ein „blindes“ Verändern des Ladedrucks beispielsweise kann mehr schaden als nützen.

Leider gibt es auch kein Patentrezept, von Hersteller zu Hersteller und Fahrzeugtyp differiert die Software oft gewaltig. Im Extremfall bleibt einem nur das Disassemblieren des Betriebssystems übrig. Ein Disassembler ist ein Computerprogramm, das die binär kodierte Maschinensprache eines ausführbaren Programmes in eine für Menschen lesbarere Assembler-Sprache umwandelt. Es ist also eine spezielle Übersetzungssoftware. Aber was sind die richtigen Werte, bei denen der Motor „besser“ läuft? Deshalb muss viel experimentiert werden, soll heißen, der Tuner nimmt geringe Änderungen an genannten Kenngrößen vor und testet. Durch genaues Messen der Einspritzzeiten oder des Zündzeitpunktes kommt er ebenfalls weiter. Eleganter ist jedoch die Nutzung eines Logikanalysators, mit dem man sich im Betrieb Speicherzugriffe protokollieren lassen kann. Ein Logikanalysator ist ein elektronisches Gerät, das den Zeitverlauf von Signalen aus einer digitalen Schaltung bildlich darstellt. In diesem Fall wäre der gesamte Speicherbereich eines solchen Kennfeldes interessant, zumindest kann man dann schon recht genau sagen, an welchem Wert der Tabelle bei einer bestimmten Drehzahl unter einer bestimmten Last „gedreht“ werden kann, um z.B. die Einspritzzeit für diesen Zustand zu verlängern und somit die Kraftstoffmenge zu erhöhen.

Erschwerend kommt für den findigen Tuner allerdings hinzu, dass die Hersteller über solche Veränderungen an den Steuergeräten nicht sonderlich entzückt sind, und aus diesem Grunde manche die Speicherbereiche des Eproms mit Prüfsummen versehen. Somit kann das Steuergerät eine Manipulation bemerken, und gegebenenfalls sogar seinen Dienst einstellen, bis die Prüfsummen wieder zusammenpassen.

Was sagt der TÜV zum Chiptuning?

Grundsätzlich müssen alle Veränderungen der Motorleistung, der Höchstgeschwindigkeit und des Hubraums in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden. Dies gilt insbesondere für den Einbau eines Tuning-Chips oder die Umprogrammierung von Original-Chips zur Änderung der Motorleistung. Rechtsgrundlage dafür ist die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO).

Mit dem Chip-Tuning wird in die Motorsteuerung eingegriffen, indem das Kennfeld von Zündanlage und Einspritzsystem modifiziert wird. Neben der Erhöhung von Motorleistung und Höchstgeschwindigkeit, kann häufig eine Verschlechterung des Abgas- und Geräuschverhaltens eintreten. Falls dies zutrifft, erlischt dadurch gemäß § 19 Abs. 2 StVZO die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs.

Sofern aber für den Tuning-Chip ein Teilegutachten oder eine Allgemeine Betriebserlaubnis für Fahrzeugteile (ABE) vorliegt und anhand dieser Unterlagen eine positive Begutachtung eines amtlich anerkannten TÜV Sachverständigen oder eines TÜV Prüfingenieurs vorgenommen wurde, bleibt die Betriebserlaubnis bestehen.

Der Chiphersteller bzw. –programmierer beauftragt für die Erstellung eines Teilegutachtens oder einer ABE einen Technischen Dienst (ein akkreditiertes Prüflaboratorium). Von diesem werden dann für jeden Fahrzeugtyp, der umgerüstet werden soll, folgende Prüfungen vorgenommen:

  • eine Abgasmessung nach den Vorschriften nach der EG-Richtlinie 70/220/EWG
  • eine Fahrgeräuschmessung nach den Vorschriften nach der EG-Richtlinie 70/157/EWG
  • die Motorleistungsmessung nach der EG-Richtlinie 80/1269/EWG
  • die Höchstgeschwindigkeitsmessung nach der ECE-Regelung Nr. 68
  • möglicherweise eine Überprüfung der Bremswirkung bei der gesteigerten Höchstgeschwindigkeit

Abgasemissionen

Abgasemissionen

Eine Abgasmessung nach der EG-Richtlinie 70/220/EWG ist zwingend erforderlich, wenn die Leistung des Fahrzeugs verändert wurde (Quelle: H&N Electronics)

Der TÜV empfiehlt daher, nur dann ein Chip-Tuning am Fahrzeug vorzunehmen, wenn dafür entweder ein Teilegutachten oder eine ABE vorliegt. In diesen Unterlagen muss die Umrüstung für den betreffenden Fahrzeugtyp eindeutig zuzuordnen sein und die Einhaltung der offiziellen Emissionsgrenzwerte für Abgas und Geräusche nachgewiesen werden.

Wenn kein Teilegutachten oder keine ABE vorliegen sollte, müssten die oben genannten Prüfungen für jedes einzelne Fahrzeug durchgeführt werden, wobei für den Autofahrer erhebliche Kosten anfallen.

Weitere häufig gestellte Fragen

Was kostet Chip-Tuning?

Die Preise für Chip-Tuning variieren sehr stark von 15 Euro Angeboten auf eBay bis hin zu 10.000 Euro für sehr seltene Fahrzeuge bei denen die Entwicklungskosten auf nur sehr wenige Kunden umgelegt werden muss. Eine Neuprogrammierung des Motorsteuergerätes ist für gängige Fahrzeuge, wie zum Beispiel einem VW Passat für 300 bis 500 Euro erhältlich, gute Chip-Tuning Zusatzsteuergeräte kosten genauso viel.

Was ist bezüglich einer Tuning Firma zu beachten?

Für die in Kraftfahrzeugen eingesetzten Elektroniken sollte es hinsichtlich der Leistung und der Emissionen Teilegutachten nach § 19 Abs. 3 Nr. 4 StVZO geben. Die Tuning Firma sollte einem Qualitätsmanagement-System, das den Forderungen des internationalen und deutschen Straßenverkehrsrechts für elektronische Unterbaugruppen (EUB 22) in Anlehnung an ISO 9000 ff. unterliegt, entsprechen. Die elektromagnetische Verträglichkeit der Produkte für den Einsatz im Kraftfahrzeugbereich sollte nachgewiesen (e1*72/245*2006/28*4697) werden können. Wünschenswert wäre es auch, wenn alle Produkte über eine e1 Zertifizierung des deutschen Kraftfahrtbundesamtes verfügen würden.

Unabhängig davon sollte man sich fragen, wie lange gibt es diese Firma bereits auf den Markt, werden die Produkte aus dem Ausland nur zugekauft, welche Ansprechpartner gibt es, oder handelt es sich nur um eine Internetfirma?

Welche Garantien der Chip-Tuner gibt es?

Die gesetzlich geregelte Sachmängelhaftung (Gewährleistung) kann trotz Tuning nicht vom Fahrzeughersteller ausgeschlossen werden, wenn das installierte Bauteil über die erforderlichen Zulassungen verfügt. Auch wenn vom Werk nicht freigegebenes Zubehör verbaut wurde, muss der Autohersteller Ansprüche aus der Gewährleistung begleichen. Es sei denn, der Schaden wurde nachweislich durch das werkfremde Bauteil verursacht.

Gute Tuner geben meist auf die Chip-Tuning Produkte, zum Teil auch auf Antriebsstrang und Fahrwerk, eine Garantie von 2 Jahren, in Einzelfällen auch drei. Optional sollten Zusatzgarantien angeboten werden. Freilich ist im Schadensfall oft schwer zu beweisen, wodurch der Defekt tatsächlich ausgelöst wurde. Oftmals kommt es dann zu gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Fahrzeughersteller und Tuning-Anbieter mit dem Ergebnis, dass der Fahrzeugbesitzer auf dem Schaden sitzen bleibt.

Welcher Kraftstoff sollte bei Benzinmotoren getankt werden?

Um die maximale Leistungsausbeute zu erreichen muss Super Plus (98 ROz) getankt werden. Kraftstoff mit niedrigeren Oktanzahlen (Super oder Benzin bleifrei) kann bei verminderter Motorleistung verwendet werden, da nahezu alle modernen Motormanagementsysteme über eine Klopfregelung verfügen (Herstellerangaben beachten!).

Hat das Fahrzeug nach dem Chiptuning eine kürzere Lebensdauer?

Bei richtigem Motortuning wird so abgestimmt, dass keine Grenzwerte des Fahrzeugs bzw. des Motors überschritten werden. Bei normaler sachgerechter Nutzung und Fahrweise ist dann auch mit keinem erhöhten Verschleiß zu rechnen. Insbesondere deshalb nicht, weil sich das Gesamtdrehzahlniveau durch das Drehmomentverhalten absenkt.

Was ist mit Schadstoffklasse und Versicherungseinstufung?

Die Schadstoffklasse bleibt gemäß Teilegutachten nach § 19 Abs. 3 StVZO bestehen. In der Regel bleibt auch die Versicherungseinstufung bestehen. Es wird jedoch geraten, das Teilegutachten dem Versicherer vorzulegen. Zum Teil gibt es eine unterschiedliche Handhabung bei Versicherungen.

Welche Probleme und Risiken treten in der Praxis immer wieder auf?

Von folgenden Problemen kann man immer lesen:

  • Steuergeräte, die nicht funktionieren, weil die neue Software nicht läuft.
  • Überhöhte Temperaturen, Einspritzdrücke und Turbolader-Drehzahlen führen zu Defekten.
  • Eine erhöhte Belastung des Antriebsstrangs (Kupplung, Getriebe, Antriebswellen, Reifen) und der Bremsanlage; ggf. sind Umbauten und / oder Reifen mit höherem Geschwindigkeitsindex erforderlich
  • Verschlechterung der Abgaswerte („Rußen“ bei Diesel-Motoren)
  • Verlust des Versicherungsschutzes, wenn das Tuning nicht in die Fahrzeugpapiere eingetragen und der Versicherung gemeldet wurde
  • Verlust der Hersteller-Gewährleistung oder -Garantie

Welche Probleme gibt es in der Werkstatt?

Grundsätzlich sollte es keine Probleme geben. Die werksseitig vorgeschriebenen Wartungsintervalle bleiben im Übrigen erhalten. Es ist in Werkstätten jedoch schon vorgekommen, dass durch die veränderte Software der Werkstatt-Tester keine korrekten Werte mehr anzeigen konnte. Auch bei der Abgas-Untersuchung (AU) kann es zu Problemen kommen, wenn durch die Tuningmaßnahmen das Abgas nicht mehr stimmt. Vereinzelt ist es nicht mehr möglich, mit dem Diagnosetester den Fehlerspeicher auszulesen.

Wie sieht es mit dem Kraftstoff-Verbrauch aus?

Die Tuner geben in der Regel an, dass sich der Verbrauch insbesondere bei Turbodiesel-Motoren vermindert. Sie weisen dabei aber auch immer darauf hin, dass dies maßgeblich von der Fahrweise des Fahrers beeinflusst wird. Ändert etwa der Fahrer, auf Grund der Mehrleistung sein Fahrverhalten (sportlichere Fahrweise) wird sich kaum eine Reduzierung einstellen.

Sollte zum Chiptuning ein Sportluftfilter verbaut werden?

Durch die optimierte Anpassung der Motorelektronik ist es erforderlich, dass der Motor zur Verbrennung immer die optimale Luftmenge zur Verfügung hat. Dies ist mit einem Sportluftfilter gewährleistet. Der serienmäßige Papierluftfilter sollte daher immer durch einen Sportluftfilter ersetzt werden. Dies betrifft sowohl Benzin- als auch Dieselmotoren.

Fazit

Chiptuning kann eine feine Sache sein. Grundsätzlich bleibt es aber dem Autofahrer, der sich überlegt die Leistung seines Boliden zu optimieren, aber nicht erspart, sich den richtigen Tuner zu suchen. Der Rat von kfztech.de lautet deshalb auch, nicht unbedingt auf den Geldbeutel zu schauen und sich ein dubioses Chiptuning andrehen zu lassen.

Abschließend noch ein Hinweis: Die hier vorgestellten Firmen sollten lediglich als Beispiele dienen. Eine Wertung für deren Qualität gegenüber Mitbewerbern soll und will nicht abgegeben werden.

Lesen Sie auch: Tuning-Begeisterung wirkt sich auf Filme, Games und in der Realität aus

Quellen: mtm, H&N, SKN, OBD-Tuning GmbH, ADAC, TÜV; Tunerstudio, Wikipedia,

Links: www.diesel-power.com , www.mtm-online.de , www.powerchip.at , www.obd-tuning.de , http://wiki.obdtuning.com , www.tunerstudio.com , www.speed-buster.de motortuning-forum.de




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Autor: Johannes Wiesinger

bearbeitet: 02.12.2015

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