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Chiptuning - weitere Arten - 3

Welche weiteren Arten des Chiptunings gibt es?

OBD-Tuning

Die Werbung eines Tuners aus dem deutschsprachigen Internet versprach vollmundig:

„Mehr PS durch elektronisches Diagnose - "OBD-Tuning" - Ein sauberer Eingriff zur Leistungssteigerung und Kraftstoffersparnis von Autos mit digitaler Softwaresteuerung - Leistungssteigerung bis zu 55%!“

Und weiter:

„Mit dieser neuartigen Technologie ist Chip Tuning effektiv, einfach und sicher, schnell und unsichtbar, jederzeit wieder zurückzusetzen, kostengünstig und trotzdem 100% sicher.“

Was steckt eigentlich hinter dem OBD- bzw. Schnittstellen-Tuning? Die Europäische On Board Diagnose (EOBD) ist seit 2001 in Europa verbindlich vorgeschrieben. Der genormte Schnittstellenanschluss dient normalerweise dem Anschluss eines Scantools zur Diagnose des Motormanagements.

OBD-Schnittstelle

Genormte OBD Schnittstelle (Quelle kfztech.de)

Der Tuner nutzt bei bestimmten Steuergeräten die Schnittstelle jedoch, um sich Zugang zu den tuningrelevanten Daten zu verschaffen. Die Motorsteuergeräte ME7.xx, EDC15, EDC16 und EDC17 (Siemens, Marelli, Bosch Delco) und einige mehr besitzen Mikrocontroller. Dies sind sozusagen Einplatinen-Computer, die alle nötigen Informationen des Motormanagements enthalten und diese sehr schnell verarbeiten und auswerten können. Die relevanten Daten sind wiederum auf einem EEprom oder Flash Eprom gespeichert.

flash eprom

Die Daten, an die die Tuner heran wollen sitzen häufig auf Eproms, die sich durch Flashen neu programmieren lassen können (Quelle: kfztech.de)

Mit einem OBD-Programmiergerät werden die Originaldaten aus dem Flash Eprom des Motorsteuergeräts up- bzw. downgeloadet. Die Originalsoftware ist die Basis der Tuningsoftware. Anstatt entweder das Eprom im Steuergerät auszutauschen oder aber eine zusätzliche Black Box ins Fahrzeug einzubringen, wird hier das Seriensteuergerät über die serienmäßige OBD-Diagnoseschnittstelle ausgelesen und die Daten neu reprogrammiert.

Ganz wichtig beim Flashen ist eine konstante Programmierspannung von 13 V. Es wurden dabei schon häufig Steuergeräte falsch programmiert, so dass sie nicht mehr funktionierten oder gleich ganz zerstört wurden. Und auch hier gilt, sich an die richtige Firma mit entsprechendem Know How zu wenden. Die Umprogrammierung kann von Diagnosegeräten des Herstellers erkannt werden. Beim herstellerseitigen Softwareupdate wird die Tuningsoftware überschreiben und hat wieder die serienmäßigen Daten. Nach Euro 5 ist diese Maßnahme der Leistungssteigerung nicht mehr zulässig.

Die zertifizierte Tuning Firma OBD-Tuning GmbH aus Hamburg bietet verschiedene Geräte zum Kauf an. So kann man sich für 499,- € einen Flash Booster im Internet bestellen.

Dual Pocket

Mit dem vorprogrammierten Flash Booster (hier der Dual Cam) kann der Fahrer sein Steuergerät selbst überschreiben (Quelle: OBD-Tuning)

Man muss vorher nur einige Fahrzeuginformationen und die Fahrgestellnummer angeben. Nach Lieferung schließt man die Hardware per „Plug and Play“ an den Diagnose Stecker an, schaltet die Zündung ein und der Rest geht von allein. Nicht vergessen werden darf, dass das Gutachten des Sachverständigen und die Eintragung in die Papiere natürlich auch noch mal mit jeweils rund 150,- € zu Buche schlagen. Dies gilt aber grundsätzlich bei allen Tuning Veränderungen.

Änderung der Software im Steuergerät

Eine weitere und sehr aufwändige Methode des Chiptunings ist das Neuprogrammieren des Motorsteuergerätes. Die Original Hersteller Software kann im Prinzip auf zwei Arten geändert werden. Das Original Eprom wird ausgebaut und durch eines vom Tuner geschriebenen ersetzt. Aber diesen Weg gehen heute noch die wenigsten Tuner, zum Teil auch weil die Steuergeräte diebstahlsicher verbaut sind und der Korrosionsschutz nach dem Öffnen nicht mehr hundertprozentig gegeben ist. Oder die Daten werden je nachdem am eingebauten oder ausgebauten Steuergerät ausgelesen, überschrieben und dann wieder eingelesen.

Boot Pin

Über den Boot Pin des ausgebauten Steuergeräten werden ausgelesen und nach der Veränderung wieder geladen

Ein guter Tuner „entwickelt“ die Leistungssteigerung speziell für jeden Motortyp. So werden bei der Vorauswahl der zu modifizierenden Motortypen zunächst die Einzelkriterien des Fahrzeugs erfasst. Da jeder Fahrzeugtyp im Detail kleine Unterschiede aufweist, werden die Seriendaten individuell bei jeder Entwicklung aufgenommen. Danach erfolgt auf dem Rollenprüfstand eine detaillierte Neuabstimmung der verschiedenen Kennfelder und Daten.

Leistungsprüfstand

Eine detaillierte Neuabstimmung der verschiedenen Kennfelder und Daten erfolgt auf dem Rollenprüfstand und später auch auf der Straße

Die in der Serie vorhandenen Sicherheitsmechanismen wie z.B. der maximal zulässige Ladedruck, der Überhitzungsschutz und die Klopfregelung des Motormanagements werden dabei vollständig beibehalten. Anschließend erfolgt im Straßenbetrieb eine Überprüfung des Fahrverhaltens und ggf. eine Feinabstimmung des Datenstandes. Erst wenn alle gewünschten Vorgaben wie Leistung, Drehmoment und Abgaswerte erfüllt sind, erhält die Leistungssteigerung die technische Freigabe und wird in das Verkaufsprogramm aufgenommen.

Seriosität zählt

Chip-Tuning Maßnahmen bei denen Änderungen an den werksseitig abgelegten Datensätzen in Motorsteuergeräten vorgenommen werden sind aber leider hin und wieder unseriös und gefährlich, da durch das Umschreiben von Teilbereichen der Originalsoftware unter Umständen nicht alle zum Schutz des Motors erforderlichen Parameter erfasst werden können. Deshalb ist es besonders wichtig, welcher Firma man sein Auto zum Tuning anbietet. Eine Überprüfung der nachträglichen aufgespielten Software ist nicht möglich. Die Rückrüstung auf den Serienzustand ist aufwändig und mit zusätzlichen Kosten verbunden. Manche Tuner geben natürlich auch Leistungsdiagramme heraus, die wie aus Insiderkreisen verlautet wurde, häufig gefälscht sind. Außerdem ist die Aussagequalität derartiger Leistungsmessungen auf Rollenprüfständen sehr schlecht. Bei Euro 5 Fahrzeugen wird vom Motorsteuergerät meist die Prüfung bei +20° C erkannt und die Leistung zurückgenommen (Verdacht der Nachprüfung Abgasverhalten). Aussagen über 15 - 20 % mehr Leistung bei Dieseln und 6 -10 % bei Benziner sind unabhängig von der Tuningmaßnahme auf jeden Fall seriös. 30% mehr sind sicher machbar, aber auch nicht mehr sinnvoll.

Außerdem geht bei nachträglichen, herstellerseitigen Softwareupdates (Flashen) die teuer erstandene „Tuningsoftware“ unter Umständen wieder verloren. Im Garantiefall kann der Fahrzeughersteller den geänderten Datensatz eindeutig identifizieren. Es droht der komplette Garantieverlust. Bei VW wird beispielsweise ab den EDC16 Steuergeräten jeder Flashvorgang am Auto und in einer zentralen Datenbank bei VW dokumentiert. So wird z.B. bei einer Serviceaktion vom Werk ein neuer Softwarestand programmiert, der Zähler erhöht sich von 00 (Auslieferungsstand) auf 01, dieser Wert wird mit der Fahrgestellnummer in der Werksdatenbank abgespeichert. Fährt man zum Kundendienst erhöht sich der Zähler auf 02. Lässt man nun per OBD ein Chiptuning machen erhöht sich der Zähler auf 03. Fährt man zu einer Reparatur wieder in eine VW-Werkstatt wird das Fahrzeug per Tester mit dem Werk verbunden erkennt die Datenbank einen falschen Zählerstand und die Werksgarantie erlischt. Die Zähler sind mehrfach im Fahrzeug abgelegt und erschweren eine Manipulation. Umgangen werden kann dies durch Umprogrammieren des ausgebauten Steuergeräts.

Einige Staaten der europäischen Union haben übrigens bereits Gesetze erlassen, die diese Art von „Tuningmaßnahmen“ verbietet. Für Fahrzeuge mit Euro 5 Norm sind nach EG Verordnung 715/2007 nur noch geprüfte Zusatzsteuergeräte zur Erhöhung von Leistung und Drehmoment zulässig (siehe Info 1). Für sogenanntes "Flash-Tuning" können keine Gutachten nach § 19 Abs. 3 Nr. 4 StVZO mehr beantragt werden.

Info 1: Auszug aus dem Amtsblatt der Europäischen Union (EG 715/2007 und EG 692/2008)

Jedes Fahrzeug, das mit einem Rechner zur Steuerung der emissionsmindernden Einrichtungen ausgerüstet ist, muss so gesichert sein, dass Veränderungen am Rechner nur mit Genehmigung des Herstellers vorgenommen werden können… Alle reprogrammierbaren Rechnercodes oder Betriebsparameter müssen gegen unbefugte Eingriffe geschützt und gesichert sein… Auswechselbare Kalibrier-Speicherchips müssen vergossen, in einem abgedichteten Behälter eingekapselt oder durch elektronische Algorithmen gesichert sein… Codierte Motorbetriebsparameter dürfen ohne Spezialwerkzeuge und spezielle Verfahren nichträndert werden können (es müssen z.B. eingelötete oder vergossene Rechnerbauteile oder abgedichtete (oder verlötete) Rechnergehäuse verwendet werden.

Selber programmieren

Wer gerne selber programmieren und die Kontrolle über seine eigenen Motordaten behalten möchte kann sich von der OBD-Tuning GmbH auch den OptiCan Dual II Flasher für 3570,- € zulegen. Mit diesem in Deutschland entwickelten und produzierten Tool ist man in der Lage, Daten aus dem Steuergerät per Diagnose zu lesen und zu programmieren. Es war laut dem nach ISO Norm 9001 zertifizierten Hersteller das erste Tool, das nachweislich die EDC16, ME7, ME9 Typen und alle CAN Versionen beherrscht. Für Steuergeräte, die sich nicht per CAN auslesen lassen ist eine ausführliche Anleitung per Wiki im Internet zu finden. Auch sollen nicht funktionstüchtige Steuergeräte vieler Fahrzeugmodelle, z.B. wenn diese von Programmiergeräten anderer Hersteller bei der Programmierung zerstört wurden, wiederbelebt werden können.

VAG EDC 17

OBD-Tuning hat ein umfangreiches Wiki im Internet (s. Links) mit vielen Tipps, Bildern und Grafiken, die einem beim Flashen helfen sollen

weiter zu Chiptuning Teil 4 - Chiptuning mit dem eigenen Steuergerät

Quellen: mtm, H&N, SKN, OBD-Tuning GmbH, ADAC, TÜV; Tunerstudio, Wikipedia,

Links: www.diesel-power.com , www.mtm-online.de , www.powerchip.at , www.obd-tuning.de , http://wiki.obdtuning.com , www.tunerstudio.com , www.speed-buster.de




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Autor: Johannes Wiesinger

bearbeitet: 02.12.2015

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