Benutzerdefinierte Suche
kfztech.de Logo   mobile.de - Der Fahrzeugmarkt im Internet   
Kfz-Technik Abkürzungs-ABC Auto kfztech TV Unterricht
www.kfztech.de Motor Abgas  

Super Kraftstoff E 10

Ist E10 wirklich ein ökologischer Kraftstoff?

Tankstellenpreise mit Super E 10
Super Kraftstoff kostet so viel wie Super Plus
Der Biokraftstoff Super E10, der im Januar 2011 an etlichen Tankstellen (im Bild eine Allguth-Tankstelle) eingeführt wurde, enthält einen Bioethanol-Anteil von bis zu 10 %. Dieser wird aus Weizen, Rüben oder Mais gewonnen.

Was viele nicht wissen: Bisher waren bereits 5 % Ethanol im Kraftstoff erlaubt. Das Ziel das die Bundesregierung mit der Einführung von E 10 verfolgt, und von Europa per Richtlinie vorgegeben ist, ist eine Reduzierung des Treibhausgases CO
2, da Bioethanol einen geschlossenen CO2-Kreislauf durch nachwachsende Rohstoffe aufweist. Laut damaligen Bundesumweltminister Norbert Röttgen möchte man so auch die Anhängigkeit vom Rohöl reduzieren.


Leider gibt es aber den einen oder anderen gravierenden Haken!

Denn nicht alle Fahrzeuge (geschätzt rund 3 Millionen) vertragen den neuen Kraftstoff. Deshalb wird und muss es auch weiterhin Ottokraftstoff (E5) mit 5% Ethanol geben. Zunächst verschwand das herkömmliche Super an vielen Tankstellen. Aufgrund der Zurückhaltung der Autofahrer für den neuen Sprit E 10 wurde es aber dann wieder überall angeboten; allerdings teilweise so teuer wie Super Plus.

Was noch hinzukommt: Wer den mit Bio-Alkohol versetzten Sprit tanken darf, muss auf Grund dessen geringerer Energiedichte vermutlich auch mit etwas mehr Verbrauch rechnen. 

Die Autofahrer sind jedoch, wohl auch wegen mangelnder Aufklärung seitens Regierung und Mineralölwirtschaft, verunsichert und tankten weiterhin fleißig das bisherige Super mit 5% Ethanol. Laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF-Politbarometer im August 2012 unterstützen 63 Prozent der Deutschen die Forderung des Entwicklungsministers der FDP Dirk Niebel, den Verkauf von E10, wegen der Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion (Hungerkrise s.u.), zu stoppen. Dagegen wollen nur 12 Prozent, dass der Biosprit weiterhin angeboten wird. Zuletzt im Juli 2012 konnte der Absatz von E10 an deutschen Tankstellen auf 14,3% zulegen.

Ein weiteres Problem: Im Jahr 2020 soll nach dem Willen der EU 10 % des Energieverbrauchs im Verkehr durch Pflanzenkraftstoff abgedeckt werden. Wird nun aber zu wenig E 10 getankt, drohen Strafzahlungen, weil in 2011 Ethanol einen Anteil von 6,25 % am Kraftstoffverkauf aufweisen muss. Die Strafen (3 Ct/l) legt, so wie es scheint, die Mineralölindustrie aber dem Autofahrer auf den Spritpreis für herkömmliches Super bereits seit Februar 2011 drauf.

Hintergründe: Bei kfztech.de erfahren Sie das Wichtigste zum neuen Kraftstoff E 10.

Wofür steht eigentlich E 10?

  • E steht für Ethanol, besser gesagt Bio-Ethanol. Der Ethanol kommt dabei aus dem Getreide- Mais- und Zuckerrübenanbau.

  • 10 steht für den 10%igen Anteil im Kraftstoff.

Übrigens haben Stichproben des ADAC ergeben, dass der E10-Gehalt nie erreicht wird. Bei der Hälfte der 20 Proben lag der Ethanol-Gehalt zwischen 8 und 9 %; bei drei Proben lag dieser sogar unter 5!

Welche Autos dürfen gefahrlos E 10 tanken?

Laut Angaben der Mineralölwirtschaft vertragen rund 90 % diesen Sprit. Informieren können sich die Autofahrer bei ihrer Herstellerwerkstatt oder auf der Herstellerhomepage. Außerdem bieten der ADAC (http://www.adac.de/infotestrat/tanken-kraftstoffe-und-antrieb/benzin-und-diesel/e10/default.aspx ) und die Deutsche Automobil Treuhand (http://www.dat.de/e10liste/e10vertraeglichkeit.pdf ) über das Internet ebenfalls Listen zur Information an. Regierung und Hersteller haben in einer gemeinsamen Erklärung garantiert, dass die DAT-Liste "rechtsverbindlich" sei.

Die Autohersteller sprechen zwar davon, dass ihre Autos für E10 geeignet ist, manche Autowerkstätten raten aber dennoch häufig dazu besser Super oder SuperPlus zu tanken mit der Begründung, dass es noch keine Langzeitstudien gäbe. Dies alles trägt nicht gerade zur Gewissheit für den Autofahrer bei. Manche Kfz-Meister raten davon ab, weil sie sagen, dass E10 wegen der korrosiven Wirkung äußerst aggressiv sei. Alle Materialien, die mit dem Kraftstoff in Kontakt müssen entsprechend angepasst sein. Im Motor betroffen sind Kraftstoffpumpen, Dichtungen und Kraftstoffleitungen aus Kunststoff und unbeschichtetem Aluminium. Eine Umrüstung älterer betroffener Fahrzeuge wäre wirtschaftlich nicht sinnvoll. Sie vermuten auch, dass durch den hohen Ethanolanteil die Wassermenge im Motor zunehmen würde und dieses dann kondensiert ins Motoröl gelangen könnte. Die Folge wäre Ölverdünnung und Ölalterung, was die Ölwechselintervalle zu Lasten der Kunden verkürzen würde. Laut Fahrzeughersteller und -importeure sind geänderte Wartungsintervalle und andere Ölsorten nicht notwendig. Es gibt aber bis dato (Herbst 2011) noch keinen einzigen bekannten Fall, wo ein Fahrzeug auf Grund E10 ausgefallen wäre.

Es darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass in Schweden seit Jahren viele Autofahrer mit E85, also Kraftstoff mit bis zu 85% Ethanol, ohne Probleme fahren. Bei den meisten Fahrzeugen ist dort nur eine Umstellung der Motorelektronik erforderlich.

Manche Kraftstoffhersteller wie z.B. Shell bieten an den Tankstellen auch eine E10-Versicherung an. Vollen Versicherungsschutz erhält laut Shell, wer mit mindestens 30 Liter Shell Fuel Save Super E10 tankt und sich online bei der Deutschen Familienversicherung registriert. Hier sollte aber auf jeden Fall das Kleingedruckte genau studiert werden und sicherheitshalber sollte man man dann auch seine Tankquittungen aufheben.

Übrigens: Auch Besitzer von Motorrädern und Rollern müssen sich informieren, ob ihr Modell für E 10 geeignet ist. Bioethanol hat leider die Eigenschaft sich nach einigen Wochen Lagerzeit im Tank zu "entmischen" und auch Wasser aufzunehmen. Dies betrifft gerade besonders Kleinmotoren wie Rasenmäher und Co, da man diese ja eher selten braucht. Wer also Kraftstoff für Rasenmäher oder Kettensäge braucht, sollte besser gleich Super Plus tanken oder noch besser gleich "Grünes Benzin" wie z.B. Aspen (http://www.procontec.com/) kaufen.

Welche Kosten entstehen bei Tanken und beim Verbrauch?

Verzichtet man auf E 10 und tankt stattdessen E5 oder Super Plus können im ungünstigsten Fall Mehrkosten von rund 3 bis 4 Euro pro Tankfüllung entstehen . Denn das bisherige Super (E5) wird in der Regel zum Preis von Super Plus verkauft wird (vgl. Bild oben). Und bei einem 50 Liter fassenden Tank machen eben 8 Ct Unterschied gleich 4 € aus.

Umgekehrt steigt durch den geringeren Energiegehalts des Bioethanolanteils im Kraftstoff der Verbrauch wiederum an. Laut ADAC zwischen 1,5 und 3 Prozent. Ein Test von Autobild bestätigte dies und übertraf teilweise die Erwartungen. Der Mehrverbrauch mit E 10 lag bei einem VW Golf TSI (Turbomotor, 122 PS) je nach Fahrzyklus zwischen 3 und 5 %.  Rechnet man bei einem Fahrzeug einen Verbrauch von 8 l/100km so kommt man auf einen Verbrauch von 8,24 bis 8,4 l. Dies bedeutet, dass der Vorteil der regenerativen Energie fast komplett aufgebraucht wurde. Dies macht die erwartete CO2-Reduzierung fast komplett zunichte! Auch wenn sich dieser Mehrverbrauch nicht grundsätzlich so ergibt, so kann von einer "Unabhängigkeit vom Rohöl" (Röttgen) wohl nicht mehr die Rede sein.

Kfztech.de konnte die oben angegebenen Mehrverbräuche durch eigene Beobachtung mit einem Opel Zafira allerdings selbst nicht bestätigen und hält sie schlicht für überzogen.


Was kann geschehen, wenn falscher Kraftstoff getankt wurde?

Durch das Ethanol im Kraftstoff können laut Aussage des ADAC Motorteile angegriffen werden. Im Einzelnen können Aluminiumteile korrodieren und Dichtungen des Kraftstoffsystems können zerfressen werden. Wenn dies noch rechtzeitig erkannt wird, sollte man das Fahrzeug am besten sofort stehen lassen und seine Werkstatt informieren. Dann würde wahrscheinlich der Kraftstoff wieder abgepumpt werden. Motoren, die falsch betankt wurden, können bereits durch einmaliges Betanken kaputt gehen, so der ADAC. 

Diese Aussage revidierte der ADAC inzwischen jedoch wieder selbst. E10 ist möglicherweise für E10-untaugliche Autos weniger gefährlich als bislang vermutet. Dies zeigte ein Langzeitversuch des ADAC mit einem Opel Signum 2.2 direct. Der Opel, der laut Hersteller ausdrücklich als E10-untauglich ausgewiesen ist, hat bei dem Härtest mehr als 16.000 Kilometer ohne negative Folgen mit dem neuen Biokraftstoff überstanden. Eine Inspektion des Kraftstoffsystems habe keinen Hinweis auf die befürchtete Ethanolkorrosion ergeben, hieß es beim Automobilclub. Trotz dieses überraschenden Testergebnisses bleibt Opel bei seiner Empfehlung im Falle einer Fehlbetankung mit E10: Laut Hersteller muss das Fahrzeug abgeschleppt und der ungeeignete Kraftstoff sofort und vollständig aus dem Tank entfernt werden. Zudem solle eine Opel-Werkstatt die Hochdruckkraftstoffpumpe und andere Teile des Motorsystems überprüfen.

Welchen Beitrag leistet E 10 zum Umweltschutz?

Der Gedanke klingt zunächst gut: Durch einen geringeren Benzinanteil im Kraftstoff spart man Rohölvorräte ein und die Ökobilanz verbessert sich durch den nachwaschsenden Rohstoff. Denn beim Verbrennen  wird lediglich die Menge des klimaschädigenden Gases CO2 freigesetzt, die die Pflanzen zuvor aus der Luft gebunden hatten.

Leider geht diese Rechnung nur dann auf, wenn für den Anbau keine Wälder, Weide- oder Brachflächen in neues Ackerland verwandelt werden. Denn dann würde dadurch wiederum mehr Kohlendioxid freigesetzt, als durch biologische Kraftstoffe eingespart wird. Davor warnt beispielsweise der Naturschutzbund (Nabu). Und die Rechnung geht eben dann auch nicht auf, wenn wie schon erwähnt das Fahrzeug erheblich mehr Kraftstoff braucht.

Man sollte übrigens nicht die Schuld beim E10 suchen. Alleine die ganzen subventionierten Biogasanlagen verschlingen in Deutschland wertvolles Ackerland. Und Warum? Weil es "grüner" Strom ist ,der erst einmal mit fossilen Brennstoffen gesät, dann gepflegt, gehäckselt, transportiert und später eingefüllt werden muss. Besser erscheint es doch von Biogas auf Offshore Windanlagen, Solarenergie und Gezeitenkraftwerke zu setzen und nicht Bioethanol weiter auszubauen. Wie denken Sie darüber?

Hunger durch Bio-Sprit?

Teilweise wird auch davor gewarnt, dass sich das Hungerproblem in der Welt verschärfen könnte, wenn immer mehr Getreide zur Kraftstoffgewinnung verwendet wird, anstatt zur Nahrungsproduktion. Die Zeiten der Nahrungsüberproduktion sind nämlich mittlerweile vorbei. Durch den Anbau von Getreide zur Herstellung von Biosprit wird die derzeitige Lebensmittelkrise in der Welt verschärft, so die UNO. Dies ist eine berechtigte Kritik, da die Anbauflächen für die Nahrungsmittelproduktion dadurch verringert werden und die Preise für Getreide weltweit ansteigen.

Die Biospritbranche betont jedoch, dass nur 4 Prozent der deutschen Getreideproduktion in die Ethanolherstellung gehen würden. Ein E10-Stopp hätte deswegen keine nennenswerten Effekte für die Lebensmittelpreise.  Ein E10-Verbot in Deutschland bliebe vermutlich auch ohne Auswirkungen auf die Ernährungssituation in Entwicklungsländern. Wenn man sich aber vergegenwärtigt, dass in den USA rund 40 Prozent der Maisernte nicht auf dem Tisch, sondern im Tank landen, lässt sich der Zusammenhang zwischen Rohstoffknappheit und steigenden Rohstoffpreisen kaum übersehen.  

Eine neuen Studie der Oxfam Organisation zufolge, würde der Verzicht des Anbaus von Bio-Kraftstoffen jährlich die Ernährung von weit über hundert Millionen Menschen sichern können. Die EU-Kommission erklärte inzwischen, dass ein Gesetz geplant werde, welches die Nutzung von Nahrungsmittelpflanzen für Biosprit begrenzen soll.

Fazit:

Dass E10 bei modernen Autos technische Probleme verursachen könnte, dürfte vermutlich nicht der Fall sein, bei älteren Modellen oder Kleinmotoren sollte man da allerdings vorsichtiger sein und sich in den entsprechenden Listen oder beim Hersteller informieren. Die ökologischen Vorteile von E10 sind hingegen aber durchaus fragwürdig weil sie im Ergebnis nicht das Erreichen was gewollt ist. Dass die Autofahrer bisher nicht umsteigen wollen, hat neben allen genannten Gründen, vermutlich auch psychologische Aspekte. Schließlich ist das Auto der Deutschen liebstes Kind...

Quellen: ADAC, Autobild, Donaukurier, kfzbetrieb.de, Süddeutsche, Shell, Spiegel online,
Bild: Johannes Wiesinger

Diese Seite von kfztech.de weiter empfehlen

Autor: Johannes Wiesinger

zuletzt bearbeitet: 19.02.2015
Folgen Sie kfztech auf Twitter
Twitter Logo
Besuchen Sie kfztech auf Facebook Facebook Logo


Impressum, Copyright Technik Seiten Suche, allgemein Link Us Sitemap