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Vorausschauendes Notbremssystem: Vorbereiten -
Warnen - Eingreifen
von Bosch
90 Prozent aller Unfälle in Deutschland entstehen durch
vorangegangene Fahrfehler. Vorausschauende Systeme, die die
Verkehrssituation vor dem Fahrzeug interpretieren, den Fahrer warnen und
teilweise schließlich selbsttätig reagieren, können die Zahl der Unfälle
deutlich senken. Mehrere dieser Assistenz- und Sicherheitsfunktionen
entwickelt Bosch derzeit zur Serienreife. Sie sind Anfang 2010 erstmals in
einem Oberklassefahrzeug von Audi verfügbar. Technischer Ausgangspunkt sind
das Elektronische Stabilitäts-Programm ESP®
und der Radarsensor der adaptiven Abstandsregelung
ACC (Adaptive Cruise Control), die jetzt erstmals mit einem
Videosensor ergänzt werden. Deren Vernetzung erweitert den
Notbremsassistenten mit integrierter
Kollisionswarnung erstmals um eine automatische Teil- und
Vollbremsung und ermöglicht zudem eine
Spurverlassenswarnung, ein erweitertes ACC oder eine
automatische Lichtsteuerung.
Vorausschauendes Notbremssystem von Bosch im Audi
Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit oder Ablenkung reicht oftmals aus und
ein Auffahrunfall droht. Wer bei 80 km/h nur eine Sekunde lang abgelenkt ist
und den Blick vom Verkehrsgeschehen abwendet, legt in dieser Zeit über 22
Meter zurück. In kritischen Situationen entscheiden jedoch Sekunden, ob der
Fahrer einen Auffahrunfall vermeiden kann oder nicht.
Die Unfallforschung zeigt außerdem, dass die meisten
Fahrer in einer Gefahrensituation zu zaghaft oder oftmals überhaupt nicht
bremsen. Konkret:
Nahezu
jeder sechste Unfall mit Personenschaden in Deutschland ist ein
Auffahrunfall. Und: Bei diesen Unfällen bremst gut ein Drittel der Fahrer
vor der Kollision gar nicht, und die Hälfte der Fahrer nutzt nicht die volle
Bremsleistung.
Bosch hat daher das
Vorausschauende Notbremssystem
entwickelt.
Es basiert auf der Vernetzung der im Fahrzeug
eingebauten Umfeldsensorik mit dem
Elektronischen Stabilitäts-Programm ESP® und unterstützt den Fahrer
im Fall eines drohenden Auffahrunfalls in mehreren Stufen.
So können je nach Situation Auffahrunfälle vermieden oder deren Folgen
deutlich reduziert werden.
ACC mit Breaking Guard
Bosch-Auswertungen von Unfalldaten zeigen, dass sich mit
vorausschauenden Notbremssystemen nahezu drei von vier Auffahrunfällen mit
Personenschaden vermeiden lassen. In kritischen Situationen warnt und
unterstützt das System den Fahrer. Lässt sich ein Unfall nicht mehr
vermeiden, reduziert eine automatische Vollbremsung die Unfallschwere.
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Stufe 1: Vorausschauende Kollisionswarnung
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Bei einem drohenden Auffahrunfall bleiben dem
Fahrer meist nur wenige Sekunden zum Reagieren. Die
Vorausschauende Kollisionswarnung,
die erste Ausbaustufe des
Vorausschauenden Notbremssystems von Bosch, warnt den Fahrer frühzeitig
vor einem drohenden Auffahrunfall.
Die Funktion erkennt aus den Daten eines
Radarsensors unfallkritische Situationen, in denen eine
bevorstehende Notbremsung wahrscheinlich ist. Tritt eine solche
Gefahrensituation ein, bereitet die Funktion das Bremssystem für eine
Vollbremsung vor: Sie befüllt die Bremskreise, legt die Bremsbeläge für
den Fahrer unmerklich an die Bremsscheiben an und senkt die
Auslöseschwelle des hydraulischen Bremsassistenten. So steht dem Fahrer
wertvolle hundertstel Sekunden früher die volle Bremsleistung zur
Verfügung.
Zudem alarmiert die Vorausschauende
Kollisionswarnung den Fahrer frühzeitig: zunächst über ein akustisches
und/oder optisches Signal, anschließend haptisch, z. B. über einen
kurzen aber deutlich spürbaren Bremsruck. Der Fahrer wird auf die
Kollisionsgefahr aufmerksam und kann früher reagieren. Er gewinnt
wertvolle Zeit um einen Auffahrunfall zu vermeiden.
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Stufe 2: Notbremsassistent
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In einer kritischen Situation ist es wichtig, dass
der Fahrer frühzeitig reagiert und ausreichend stark bremst. Der
Notbremsassistent, die
zweite Ausbaustufe des
Vorausschauenden Notbremssystems, erweitert die Fahrerwarnung um eine
intelligente Bremsunterstützung.
Aus den Informationen des
Radarsensors berechnet der Notbremsassistent kontinuierlich, wie stark
das Fahrzeug abgebremst werden muss, damit eine Kollision vermieden
werden kann. Bremst der Fahrer nach der Kollisionswarnung nicht
ausreichend stark, erhöht der Notbremsassistent den Bremsdruck auf das
erforderliche Maß, damit der Fahrer das Fahrzeug noch vor dem Hindernis
zum Stehen bringen kann. So unterstützt die Funktion den Fahrer effektiv
beim Bremsen und hilft damit einen Auffahrunfall zu verhindern.
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Die dritte Generation der Radarsensoren von Bosch (LRR3) ist nochmals
wesentlich leistungsfähiger. Der Erfassungsbereich reicht nun von 0,5
bis 250 Meter, der Öffnungswinkel ist je nach Applikation bis zu 30 Grad
groß. s.a. ACC
Stufe 3: Automatische Notbremsung
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Die
Automatische Notbremsung ist die
dritte Ausbaustufe des
Vorausschauenden Notbremssystems. Sie erweitert den Funktionsumfang der
Kollisionswarnung und des Notbremsassistenten um eine Teil- und eine
Vollbremsung.
Bis ein Fahrer in einer kritischen Situation
reagiert, kann wertvolle Zeit verstreichen. Zeit, die die Automatische
Notbremsung aktiv nutzt: im Anschluss an die Kollisionswarnung leitet
die Funktion eine Teilbremsung ein, um die Zeit, bis der Fahrer reagiert
bereits aktiv zu nutzen. Dies reicht aus, um das Fahrzeug deutlich
abzubremsen und die Aufmerksamkeit des Fahrers wiederherzustellen. Der
Fahrer gewinnt wertvolle Zeit, um die Kollision durch Bremsen oder
Ausweichen zu vermeiden. Sobald der Fahrer die Bremse tritt, unterstützt
ihn der Notbremsassistent beim richtigen Bremsen.
Reagiert der Fahrer auf die vorausgegangene Warnung
nicht und ist die Kollision nicht mehr zu vermeiden, wird eine
automatische Vollbremsung ausgelöst. Sie bremst das Fahrzeug unabhängig
von der Fahrerreaktion maximal ab, um die Aufprallgeschwindigkeit zu
verringern und die Unfallfolgen so gering wie möglich zu halten. Dies
stellt höchste Anforderungen an die Präzision der Objekterkennung sowie
die Abschätzung des Unfallrisikos. Hierzu wird der Radarsensor durch ein
weiteres Messsystem, vorzugsweise eine Videokamera, ergänzt.

Je früher und genauer die Szene vor dem Fahrzeug interpretiert werden
kann, desto besser können die Sicherheitsfunktionen den Autofahrer
unterstützen. Man setzt deshalb auf ein Zusammenspiel von Radar- und
Videodaten, um Verkehrssituationen bestmöglich zu erfassen.
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Hinweis zum Audi-Projekt: Neben einem leistungsfähigen
ESP®premium kommen dort erstmals zwei Fernbereichs-Radarsensoren zum Einsatz,
die links und rechts im vorderen Stoßfänger untergebracht sind. Die Sensoren der
neuen Generation 3 von Bosch erkennen Objekte innerhalb eines Öffnungswinkels
von rund 40 Grad bis zu einer Entfernung von 250 Metern und können deren Abstand
und Geschwindigkeit sehr genau ermitteln. Die Videokamera ist in Höhe des
Rückspiegels hinter der Frontscheibe angebracht. Sie hat einen Blickwinkel von
42 Grad. Vorteil der Videotechnik ist der hohe Kontrastumfang, durch den sich
Gegenstände wie Personen, Fahrzeuge oder Verkehrsschilder sehr gut
identifizieren lassen, sowie die genaue Winkeldetektion der Objekte. Die
Radarsignale liefern präzise Daten über Abstand und Geschwindigkeit der Objekte.
Fügt man beide Informationen über leistungsfähige Programme zusammen, können
Muster und Bewegungen schnell erkannt und so die Situation interpretiert werden.
Hinweis: Das "Vorausschauende
Notbremssystem" von Bosch löst das bisherige System "Predictive Safety
System" (PSS) ab.
Anmerkung: Die
Verkehrssicherheit erhöhen wird voraussichtlich eine Verordnung, die im August
2009 in Kraft getreten ist. Sie schreibt unter anderem für alle Fahrzeuge
schrittweise bis November 2014 den verpflichtenden Einsatz des Elektronischen
Stabilitäts-Programms (ESP®) vor. Nutzfahrzeuge müssen darüber hinaus
spätestens ab November 2015 auch mit vorausschauenden Notbremssystemen sowie
Spurhalteassistenten ausgerüstet sein.
Quellen: BOSCH, Audi
Lesen Sie auch den Bericht über PRE-SAFE
und über CAPS
Johannes
Wiesinger bearbeitet:
16.10.2010
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