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Der CAN Bus - Grundlagen |
Elektronische Systeme im Kfz haben in den letzten Jahrzehnten rasant zugenommen. Es gibt inzwischen einen großen Anteil an Elektronik und dafür weniger Mechanik. Dies wird auch durch den vor wenigen Jahren geschaffenen Beruf des Kfz-Mechatronikers ausgedrückt, der den bisherigen Kfz-Mechaniker abgelöst hatte. Ständig steigende Anforderungen an Fahrsicherheit, Abgasverhalten und Kraftstoffverbrauch erfordern einen zunehmenden Austausch von Informationen zwischen den Steuergeräten bzw. eine immer umfassendere Zentralelektronik.
Da bei einer herkömmlichen Verkabelung für jede Information
je eine Leitung benötigt wird, steigt mit zunehmendem Funktionsumfang der
Kfz-Elektronik die Länge und das Gewicht des Kabelbaumes sowie die Anschlüsse an
den Steuergeräten. Abhilfe schafft hier der CAN-Bus, der sämtliche
Informationen über lediglich zwei Leitungen überträgt.
Datenbusse, auch
CAN (Controlled
Area Network) genannt, verbinden bis zu 100 verschiedene
Steuermechanismen miteinander, die unter der Motorhaube eines Wagens
zusammenspielen. Schaut man in eine
Autozeitung,
so wird dort mittlerweile ebenfalls Wert darauf gelegt, die technischen und
elektronischen Finessen der neusten Automobile anstatt der verbliebenen
Mechanikelemente zu erklären. In erster Linie wird dort jedoch über
Erscheinungsbild, Geschwindigkeit und Verbrauch von neuen Fahrzeugmodellen
berichtet, da dies Komponenten sind, die den Käufer am meisten interessieren.
Dadurch können komplexe Systemfunktionen erreicht werden, wie z.B. bei Schaltvorgängen eines automatischen Getriebes. Der CAN ist ein 2-Draht-Bussystem und kann trotz des einfachen Aufbaus sehr große Netzwerke mit bis zu 100 Steuergeräten bilden. Die Datenübertragung erfolgt seriell in Datenpaketen, deren Aufbau standardisiert ist. Die Vorgänge bei der Übertragung, der Fehlersicherung, der Fehlerkorrektur und der Bestätigung sind genau festgelegt und in der CAN-Spezifikation (Bosch) beschrieben.
Vorteile CAN gegenüber konventioneller Verdrahtung
Bussysteme ermöglichen eine deutliche Reduzierung von Kabeln und Steckern. Preis und Gewicht sinken dadurch. Es entsteht eine Erweiterte Kommunikationsfähigkeit, die durch eine einfache Verkabelung nicht möglich wäre. Durch Diagnosekomponenten ist eine ständige Kontrolle vorhanden. Ein Protokoll erkennt Übertragungsfehler, die zum Beispiel aufgrund elektromagnetischer Einstrahlung entstehen können, und korrigiert sie automatisch durch Sendewiederholung. Sicherheit ist somit auch durch Redundanz gegeben. Modularisierung z.B. von Steuergeräten senkt ebenfalls den Preis, da Steuergeräte häufig nur entsprechend programmiert werden müssen.
In zunehmendem Umfang werden inzwischen auch Sensoren (z.B. Lenkwinkelsensor) und Aktoren (z.B. Wischermotor VW) mit Prozessoren ausgerüstet, um die Daten aufzubereiten. Wenn die Daten solcher intelligenter Komponenten direkt auf das Bussystem gelangen, belasten sie die Steuergeräte nicht mit der Weiterleitung. Im Diagnosebereich wird der CAN-Bus für die Übermittlung der Zustände und Fehlerspeicher genutzt, sowie für die Flash-Programmierung der Steuergeräte.
Die Vorteile der linearen CAN-Bus-Topologie auf einen Blick:
kleinerer Kabelbaum, der Verkabelungsaufwand ist gering
Als Übertragungsmedium dient eine preiswerte und einfach zu handhabende verdrillte Zweidrahtleitung.
Sensoren mehrfach nutzbar
CAN-Stationen können nachträglich relativ einfach in den bestehenden CAN-Bus eingefügt und entfernt werden. Es muss lediglich die Verbindung zur Busleitung hergestellt bzw. getrennt werden. Dieser Aspekt spielt besonders bei der Fehlersuche und Reparatur ein bedeutende Rolle
Der Ausfall einer
CAN-Station hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf den CAN-Bus. Alle
anderen Stationen können weiterhin uneingeschränkt kommunizieren.
Die Nachteile dieser Bustopologie wirken sich wie folgt auf den CAN-Bus aus:
Die Busleitung kann nicht beliebig lang ausgeführt werden, da die elektrischen Eigenschaften (z.B. Signalreflexionen) im Zusammenhang mit der Übertragungsgeschwindigkeit physikalische Grenzen setzen.
Das Gleiche gilt auch für die Stichleitungen zu den Steuergeräten im Kfz. Je nach Übertragungsgeschwindigkeit dürfen sie eine bestimmte Länge nicht überschreiten.
Um die Signalgüte zu optimieren, müssen die Enden der Busleitung mit Abschlusswiderständen "terminiert" werden. Besonders bei hohen Übertragungsgeschwindigkeiten kann ein nicht richtig terminiertes Kabelende den gesamten Bus funktionsunfähig machen.
Geschichtliche Entwicklung
CAN wurde ab 1983 von Bosch auf Anforderung von Daimler-Benz
und BMW als Automobilbus entwickelt. Grundlage hierfür war die Tatsache, dass
ein Mittelklasse-Pkw über 600 verschiedene Kabelbaumtypen mit mehr als 2000
Metern Kabellänge und über
100 kg Gewicht gehabt hatte.
1987 Erster CAN Chip von INTEL
seit 1989 Serienbausteine für den Einsatz im Fahrzeug
Seit 1992 wird CAN in der Mercedes S-Klasse eingesetzt, später folgten auch andere Automobilhersteller.
Mit der Zeit haben sich unterschiedliche Autobusprotokolle herausgebildet wie z. B. CAN, VAN, J1850, ABUS. VAN und ABUS-Protokolle sind inzwischen zugunsten von CAN aufgegeben worden.
Seit 1994/95 ist CAN das am meisten verbreitete Protokoll für Automobilanwendungen.
2001 Auch bei Kleinwagen wird der CAN-Bus im Triebstrang
und im Karosseriebereich eingesetzt.
2002 In Oberklasse-Fahrzeugen werden optische Busse eingesetzt. Sie dienen der
Übertragung von Steuer-, Video- und Audiodaten, beim 7er BMW auch zur
Auslösung von Rückhaltesystemen. Die Signale werden über
Kunststoff-Lichtwellenleiter übertragen.
2003 Audi setzt im neuen A8 die aus der GSM-Technologie bekannte
Bluetooth-Schnittstelle zur drahtlosen Übertragung zwischen der
Telematikeinheit und dem mobilen Bedienhörer ein.
CAN Klassen
Aktuelle Kraftfahrzeuge vernetzen bereits eine große Zahl von Steuergeräten miteinander, die unterschiedliche Anforderungen mit sich bringen. Daher werden im Kfz mehrere CAN-Bussysteme verbaut. Diese unterscheiden sich vor allem in der Übertragungsgeschwindigkeit und werden in drei Klassen eingeteilt.
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CAN A < 10 kBit / s Diagnose (konventionell) |
Kfz mit CAN-Bus verfügen über ein ein Diagnosesystem. Solche Systeme lesen Fehlerspeicher aus und ermöglichen eine Stellglieddiagnose. Die Datenübertragungsgeschwindigkeit ist nicht so wichtig, da die Daten nur gelegentlich in der Werkstatt zu Wartungs- und Diagnosezwecken ausgelesen werden. Der Diagnoseanschluss (auch K-Leitung und L-Leitung genannt) muss aber robust und fehlertolerant sein. Bei neueren Fahrzeugen wird die Diagnose direkt an der eigentlichen Busleitung (CAN C) durchgeführt. |
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CAN B
< 125 kBit / s Komfort, Display, Karosserie |
Über diesen (Low - Speed) CAN-Bus kommunizieren z.B. Steuergeräte für Beleuchtung, Klimaanlage, Verriegelung und Armaturen. Hier ist eine Übertragung wichtiger Daten bei nicht so hoher Geschwindigkeit wichtig (z.B. K-CAN, Karosserie-CAN). Der Bus muss trotzdem ausfallsicher und robust sein. Daher arbeitet er im Kfz meist nach dem fehlertoleranten Standard ISO 11989-3. |
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CAN C
< 1 MBit / s Motor, Getriebe, Diagnose (Bus) |
An diesem Bus sind z.B. die Steuergeräte für
Motormanagement, Getriebe, ESP, ASR und ABS angeschlossen. Der Bus muss
echtzeitfähig sein, d.h. die Datenübertragung darf sich durch den Bus nur
extrem kurz verzögern. Mittlerweile ist auch eine Echtzeit-Diagnose über
einen eigenen Diagnose-Bus möglich. Dieser Bus muss schnell sein, weil große
Datenmengen in kurzer Zeit übertragen werden müssen. Im Kfz kommt meist der
Standard ISO 11898-2 zum Einsatz. |
Verschiedene Bussysteme im Vergleich
Die in modernen Kraftfahrzeugen eingesetzten Komponenten stellen unterschiedliche Anforderungen an das eingesetzte Bussystem. Beispielsweise erfordert der Einsatz im Bereich des Motormanagements eine schnelle Datenübertragung, eine Klimaanlage hingegen muss nicht innerhalb von Sekundenbruchteilen auf Änderungen der Temperatur im Fahrgastraum reagieren. Hier können deutlich höhere Verzögerungszeiten in Kauf genommen werden.
Zumeist werden verschiedene und unterschiedlich schnelle Bussysteme in einem Kfz eingesetzt. Der Antriebsbus (z.B. Powertrain-CAN) umfasst die Motor-, Getriebe- und Bremsen-Steuergeräte sowie weitere direkt damit zusammenhängende Sensoren/Aktoren. Er ist ein Highspeed-CAN. Über einen Komfort-CAN oder einen Karosserie-CAN laufen Komfortsysteme wie Fensterheber, Sitzmemory oder Reifendruck. Einfache Anwendungen wie Klimaanlage oder Wischersteuerung nutzen häufigen einen Eindraht-Bus (LIN). Im Infotainmentbereich werden auf Grund der großen Datenmengen MOST Busse mit Lichtwellenleitern eingesetzt. In einem oder auch mehreren zentralen Modulen (Gateways) laufen die Informationen zusammen und werden auf das jeweilige Bussystem "abgestimmt". Die Daten werden auch von einem ins andere CAN-System weitergeleitet. Gateways können für Diagnosezwecke abgefragt werden.
| CAN-Bus
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Der CAN-Bus existiert in verschiedenen Varianten. In Abhängigkeit von der Geschwindigkeit, mit der er Daten übertragen kann, wird er in den Bereichen Antrieb, Komfort und zur Diagnose eingesetzt. Low Speed bis High Speed, 100 bis 500 kBit/s incl. Diagnose CAN | |
LIN ![]() |
Der LIN-Bus (Local Interconnect Network) ist ein preiswertes dem CAN-Bus untergeordnetes Sub-Bussystem; er wird für die Ansteuerung bestimmter lokaler Komfort-Komponenten oder für Sensoren verwendet. - max. 20 kBit/s | |
| MOST
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(Media Oriented Systems Transport) optisches Hochgeschwindigkeits-Multimedia-Bussystem, meist ringförmig, Sehr hohe Übertragungsrate (23 MBit/s) | |
| Bluetooth
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Bluetooth-Funkstrecke erfordert auf kurzen Distanzen keine Verkabelung und dient zur sicheren Übertragung von Sprach-Signalen. | |
| Das Bild zeigt eine vereinfachte und verkürzte Darstellung der Bussysteme, die in einem Audi A8 (ab Modelljahr 2003) verwendet werden | ||
Weitere Systeme
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FlexRay | Echtzeitfähiges High-Speed
Bussystem (Datenrate 10 Mbit/s) für
sicherheitskritische Anwendungen,
Eignung für Echtzeitsysteme. Einsatz als Backbone für andere Bussysteme geplant; zukünftig ggf. als Ersatz für heutige High-Speed-CAN, langfristig: Brake-by-Wire, Steer-by-Wire - Topologie: Linienstruktur, Stern - Anwendung z.B. in der AdaptiveDrive Sonderausstattung des BMW X5 (Model 2007); per Flexray werden Stoßdämpferventile gesteuert, die das Fahrwerksverhalten anpassen. |
| byteflight | Hochwertiges sternförmig aufgebautes Bussystem - sehr schnell (10 Mbit/s), stabil, aber teuer. Übertragungsmedium Lichtwellenleiter. Anwendung aktuell in der BMW-Oberklasse, dort vorzugsweise im Antriebsstrang und bei Sicherheitssystemen, z.B. Airbag. | |
| D2B Optical | DaimlerChrysler 5,65 Mbit/s |
Bustopologie CAN und andere Bussysteme
Die Teilnehmer sind durch kurze Stichleitungen mit einer Hauptleitung verbunden. Jede Kommunikation läuft über diese Hauptlinie. Wird diese unterbrochen, so entstehen zwei Segmente, die meist noch funktionsfähig bleiben. Diese lineare Topologie wird auch "Bustopologie" genannt. CAN arbeitet standardmäßig mit einer linienförmigen Topologie.
Die Baumtopologie zeichnet sich durch Verzweigungen an beliebiger Stelle aus. Dadurch sind flexible Kombinationen aus Stern- und Linientopologie möglich.
Kennzeichnend sind die Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zwischen den Teilnehmern. Alle Verbindungen sind zu einer geschlossenen Kette angeordnet. Die Kommunikation kann nur in einer Richtung erfolgen. Ein Befehl von Gerät A zum Gerät B muss meistens über ein anderes Gerät laufen. Fällt eine Teilstrecke aus, ist meist das gesamte System funktionslos. Über eine Diagnoseleitung kann der Fehler lokalisiert werden. z.B. Bei MOST Bussystem
Hier gibt es einen zentralen Knotenpunkt, an dem alle Teilnehmer angeschlossen sind. Jeder Teilnehmer hat seine eigene Leitung. Fällt der zentrale Punkt aus, so bricht die gesamte Kommunikation zusammen. z.B. bei Byteflight
CAN-Antrieb
CAN-Komfort / K-CAN (Karosserie-CAN)
ISO-Standard 11519 (früher) bzw. ISO 11989-3 (Low- Speed-CAN)
Datenrate 100kBit/s
2-Draht-Busleitung, verdrillt, ungeschirmt, Querschnitt von je 0,35 mm2
bei VW: CAN High = orange/grün, CAN Low = orange/braun
Gateway/Diagnosebus
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Die einzelnen Bussysteme senden ihre Daten an das Gateway. Dieses stellt sicher, dass die systemübergreifenden Daten, obwohl sie unterschiedliche Kommunikationsstrukturen und Geschwindigkeiten haben, im ganzen Systemverbund zur Verfügung stehen. Beim Ausfall eines Bussystems oder bei der Weiterleitung von Daten erfüllt es zusätzlich die Aufgaben eines Filters. Es ist in der Lage, Störungen und Datenmengen zu filtern. Manche Kfz besitzen mehrere Gateways. Oft befindet sich ein Gateway im Kombiinstrument. Der Gateway Diagnose-CAN dient dem Datenaustausch zwischen dem Diagnosegerät und der im Fahrzeug verbauten Steuergeräte. Die früher verwendeten K- oder L-Leitungen entfallen mit Ausnahme abgasrelevanter Steuergeräte. Durch die schnelle Datenübertragung über CAN und durch das Gateway selbst, ist das Diagnosegerät in der Lage, direkt nach Anschluss an das Fahrzeug einen Überblick über die verbauten Komponenten und deren Fehlerstatus anzuzeigen. Der Diagnose-CAN nutzt eine ungeschirmte verdrillte Zweidrahtleitung mit einem Querschnitt von je 0,35 mm2. Die CAN-High-Leitung ist bei VW orange/violett, die CAN-Low-Leitung ist orange/braun. Die Datenübertragung erfolgt mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 500 KBit/s. Über den OBD-Stecker besteht die Möglichkeit, auf den CAN - Bus zuzugreifen.
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Pin-Belegung am Diagnosestecker
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Pin | Leitung |
| 1 | Klemme 15 | |
| 4 | Masse | |
| 5 | Masse | |
| 6 | CAN-Diagnose (High) | |
| 7 | K-Leitung | |
| 14 | CAN-Diagnose (Low) | |
| 15 | L-Leitung | |
| 16 | Klemme 30 |
Empfehlung für Ausbildung und Schule:
CAN-Grundstufe I
Quellen: VW, BMW, Mercedes, Opel, Multiplikator Lehrgang, BTZ Ingolstadt
Wiesinger
26.08.2010