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Kfz-Elektrik-Schaltpläne kennen lernen |
Hans-Dietrich
Zeuschner, 08.02
Im Unterrichtsfach
Technisches
Zeichnen kam es ehedem auf die
formgenaue Darstellung und die normgerechte Vermaßung eines Werkstücks, einer
Baugruppe, einer Anlage oder einer Vorrichtung an. Im Unterrichtsfach Technische
Kommunikation (o.ä.), spielen heute elektrische, elektronische,
pneumatische, hydraulische oder mechanische Betriebsmittel samt ihren
Verbindungen untereinander, dargestellt als Schaltpläne in BetriebsanIeitungen,
Ersatzteillisten und ähnlichen technischen Informationsträgern eine zentrale
Rolle. Das Lesen und Interpretieren von Schaltplänen müssen Berufs- und
Berufsfachschüler Schritt für Schritt lernen. Ein Fachlehrer, der dieses
Kapitel mit dem Auflegen der Folie
eines komplexen Stromlaufplans in aufgelöster Darstellung der
Kfz-Elektrik beginnt, ignoriert in hohem Maße die allgemein u.a. für den
Berufsschulunterricht anerkannten Regeln
Vom Konkreten zum Abstrakten
bzw.
Vom Leichten zum Schweren.
Konkret
ist das Realobjekt z. B. die Elektrikanlage eines Fahrzeugs.
Hinsichtlich ihres Abstraktionsgrades
ergibt sich für die Schaltpläne folgende Reihenfolge:
Übersichtspläne,
Anschlusspläne
Stromlaufpläne in
zusammenhängender Darstellung
Stromlaufpläne in aufgelöster Darstellung
Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Zeit als Werkstudent
bei der Fa. Deutz in Köln am Ende der letzen fünfziger Jahre. Dort stand ich
am Motor-Montageband und hatte entweder die Hülsen für die Aufnahme der
Phosphortütchen, „Zigarettenkippen“ genannt, zu installieren oder
zwischendurch eine elektrische Vorglühanlage. Da das Band selbstverständlich
ohne Rücksicht auf meinen unterschiedlichen Arbeitsaufwand mit der
installierten Taktzahl weiterlief, kam ich mächtig ins Schwitzen wenn die
Elektrik zu montieren war. Zu
dieser Zeit hat man in Fachbüchern Schaltpläne von Vorglühanlagen , wie in
Bild 1 dargestellt, veröffentlicht, man erkennt als Basis eine technische
Zeichnung ‚ die durch einige Symbole und Benennungen und Ziffern angereichert
ist.
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BILD 1 (Neubauer,E.: Taschenbuch für Schlepperfahrer, Wiesbaden, 1957, S.85) |
In der gleichen Art ist das „Prinzipbild der elektrischen
Anlage“ in Bild 2 „gestrickt“, insbesondere die nicht
rechtwinkligen Verbindungen sowie die sehr detailliert dargestellten
elektrischen Betriebsmittel fallen ins Auge. So ähnlich sehen die Skizzen aus,
die Schüler zu Papier bringen, wenn man sie auffordert, die Beleuchtungsanlage
eines Kraftfahrzeugs aufzunehmen. Sie bringen das was sie sehen, so wie sie es
im Zeichenunterricht gelernt haben, möglichst „naturgetreu“ zu Papier. Die
Umsetzung derartiger Zeichnungen in normgerechte Schaltpläne muss ihnen Schritt
für Schritt vermittelt werden, z.B. in der Weise, wie nachstehend beschrieben.
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BILD 2 (Neubauer,E.: Taschenbuch für Schlepperfahrer, Wiesbaden, 1957, S. 74 |
Datengewinnung
Als Anschauungs- bzw. Untersuchungsobjekte eignen sich in
dieser Phase insbesondere Traktoren, Anhänger-Zugmaschinen oder auch
Lastkraftwagen, möglichst älteren Baujahrs, bei ihnen legen die Leitungen
weitgehend frei im Gegensatz zu Personenkraftwagen. Als kleine Einhilfe in die
Entdeckungsarbeit der Schüler empfehle ich, sie vor dem Start auf die
unterschiedlichen Farben der Leitungen und auf die Klemmenbezeichnungen
aufmerksam zu machen, sowie ihnen anzuraten, ihre Exkursion am Sicherungskasten
zu beginnen. Nach dem Motto „Vier Augen sehen mehr als zwei“ und zur Förderung
der Sozialkompetenz hat sich hier die Sozialform Partnerarbeit bewährt. Wichtig
erscheint mir der Hinweis an die Schüler, für die Zeichnung/Skizze die ganze
Fläche des DIN A4-Blattes zu
nutzen. Ziel dieser Phase ist, die Schüler handlungsorientiert Informationen
sammeln und in Pläne nach eigenen Vorstellungen umsetzen zu lassen. Damit sind
wir bereits mitten in der Lektion.
Auswertung der Daten
Liegen die von
den Schülern erarbeiteten Pläne (Skizzen) vor, dann sind sie nebeneinander zu
legen und in Gemeinschaftsarbeit von den Schülern und dem Lehrer untereinander
zu vergleichen. Dabei sollen die Schüler erkennen, dass es unterschiedliche Möglichkeiten
gibt, die am Objekt gewonnenen vielschichtigen und vielfältigen Informationen
zu verarbeiten und in einen Plan umzusetzen. Ist diese Phase sinnvoll
vorbereitet und realisiert worden, dann steht am Ende die Frage nach
einheitlichen bzw. eindeutigen Zeichenregeln für Schaltpläne.
Sie kann anschließend mit Hilfe von zwei unterschiedlichen
Vorgehensweisen beantwortet werden.
A
Die
Schüler erhalten Gelegenheit ihre Zeichnung mit
einem ihnen per Folie vorgestellten normgerechten Stromlaufplan einer
Kfz-Beleuchtungsanlage in zusammenhängender Darstellung (Bild 3.2) zu
vergleichen und werden per Unterrichtsgespräch mit den zugehörigen
Schaltzeichen und Klemmenbezeichnungen (Bild 3.1) bekannt gemacht.
B Die von den Schülern zu Papier gebrachten Zeichnungen werden von ihnen zunächst in annähernd normgerechte Schaltpläne umgewandelt. Zur Vorbereitung spannen sie über die vorhandene Zeichnung – oder alternativ über Bild 2 - einen Bogen Transparentpapier. Danach ermitteln sie weitgehend selbständig die Schaltzeichen für die Betriebsmittel und die Klemmenbezeichnungen unter Zuhilfenahme des Tabellenbuchs, ´überzeichnen‘ Stück für Stück die von ihnen gezeichneten Bilder der Betriebsmittel mit den zugehörigen Schaltzeichen, tragen die Leitungen rechtwinklig ein und übertragen die relevanten Klemmenbezeichnung auf das Transparentpapier. Hierauf folgt die unter A beschriebene Vorgehensweise zu Bild 3.2
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Bild 3 (Staudt,W.: Kraftfahrzeugtechnik, Braunschweig/Wiesbaden, 1988 S.344) |
Der Start der Lektion, einfacher
gestaltet
Hierfür empfehle ich, als didaktisches Zentrum einen Anhänger
einzusetzen, dessen elektrische Anlage deutlich übersichtlicher gestaltet ist
als die oben beschriebenen.
Nach Erteilung des Arbeitsauftrags, die Beleuchtungsanlage
des Anhängers aufzunehmen, werden
die Schüler erfahrungsgemäß eine Draufsicht von dem Fahrzeug anfertigen, in
die sie die elektrischen Betriebsmittel und Leitungen „naturgetreu“
einzeichnen. Bei der darauf folgenden Umsetzung
der Schüler-Skizzen in normgerechte
Schaltpläne d.h. bei den ersten
Abstraktionsschritten sind erfahrungsgemäß keine Probleme zu erwarten. Die
verkürzten und in einigem Abstand voneinander liegenden Leitungen sowie die
nicht der Realität entsprechende Lage der dazu noch symbolisierten Leuchten
sind als erste Schritte weg von der technischen Zeichnung hin zum normgerechten
Schaltplan zu betrachten bzw. zu vermitteln. Auf Grund der vorliegenden Verhältnisse
bietet es sich an, an dieser Stelle bereits den Stromlaufplan in aufgelöster
Bauweise einzuführen (Bild 4) und die relevanten Klemmenbezeichnungen sowie die
Anschlüsse der, je nach Lage der Dinge, sieben- oder dreizehnpoligen Steckdose
und des zugehörigen Steckers zu behandeln.
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Bild 4 (Meiners,H. u.a.: Fachkenntnisse Landmaschinenmechaniker, Hamburg 1993, S.60) |
Die letzte Phase
Am Schluss der Vorbereitung zum Arbeiten mit komplexen Stromlaufplänen in aufgelöster Darstellung für Kraftfahrzeuge, in denen die einzelnen Komponenten zu Baugruppen zusammen gefasst sind, wird der relativ übersichtliche Plan für die Beleuchtungsanlage (Bild 3.3) vorgestellt. Die Schüler erhalten den Auftrag, die beiden Stromlaufpläne für die Beleuchtungsanlage zu vergleichen und die Unterschiede zu benennen. Schlusswort
Für die Berufsschule gilt u.a. „Die Schüler sollen ……
berufstypische Zeichnungen, Skizzen, Diagramme, Tabellen, Texte, Normen,
digitale/analoge Informationen, Symbole lesen, verwenden und ggf. erstellen können.“
Eingangs habe ich die These vertreten, dass ein Fachlehrer, der das Kapitel
„Elektrische Schaltpläne“ mit dem Auflegen der Folie eines komplexen
Stromlaufplans in aufgelöster Darstellung der Kfz-Elektrik beginnt, in hohem Maße
u.a. für den Berufsschulunterricht anerkannte Regeln ignoriert. Man hätte
diese These wissenschaftlich exakt z.B. mit dem Instrumentarium von Grüner
(Die didaktische Reduktion als Kernstück der Didaktik) begründen können.
Darauf habe ich zu Gunsten einer pragmatischen Behandlung des Themas
„Kfz-Elektrik-Schaltpläne kennen lernen“, die sich auf meinen Erfahrungen
als Fachlehrer im Schwerpunkt Fahrzeugtechnik gründet, verzichtet. Keineswegs
soll der Beitrag als Rezept a´ la Hilpert
Meyer (Feiertagsdidaktik) verstanden werden.
H.-D. Zeuschner
Weitere Beiträge zur Gestaltung des Unterrichts in Technik und Sozialkunde sowie zur Diskussion finden Sie auf "Zeuschners Seiten".
Wiesinger
bearbeitet am: 24.11.09