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 Technikerschüler präsentieren ihre Arbeiten

Voraussetzungen für die Technikerausbildung

Am Städtischen Berufsschulzentrum für Fahrzeugtechnik in München, Elisabethplatz, präsentierten erstmals 20 Abschlussschüler und eine Abschlussschülerin der Fachschule für Fahrzeugtechnik und Elektromobilität nach zweijähriger Ausbildung ihre Projektarbeiten. Die insgesamt zehn Projektarbeiten der angehenden Techniker wurden u.a. in Zusammenarbeit mit der Hochschule München, der TU München, namhaften Firmen wie z.B. AUDI, MAN, Bertrandt und als schuleigene Projekte konzipiert und betreut.

Im Rahmen der Präsentation sprach Schulleiter Wolfgang Keil (Bild 1) in seiner Begrüßungsrede vor den Gästen aus Industrie, Politik und Schulverwaltung von einer „bayerischen Weltpremiere“, da es die Fachschule für Fahrzeugtechnik und Elektromobilität in Bayern im staatlichen Bereich erst seit 2 Jahren gibt.

Begrüßung durch Wolfgang Keil

Bild 1 Begrüßung (Hans Graßl) Schulleiter Wolfgang Keil begrüßte Gäste aus Industrie, Politik und Schulverwaltung

Früher mussten Schüler, die aus dem Automobilbereich kommen, in Bayern entweder in die Fachschulen für Maschinenbau oder für Elektrotechnik besuchen. Die Vorgaben an die Schüler für das Projekt waren in der Hauptsache das selbständige Bearbeiten der Aufgaben im Team, sowie richtiges Zeit- und Kostenmanagement. Für die Lehrer waren die technischen Unterrichtseinheiten komplettes Neuland, die erst mit viel Arbeitsaufwand neu erstellt werden mussten. Herr Keil lobte Schüler und Lehrer gleichermaßen und sprach davon, dass die Ziele erreicht bzw. übertroffen wurden.

Im Anschluss präsentierten die Projektteams ihre Ergebnisse den Gästen. Vom Prototypenbau einer Radmontiermaschine für Nutzkraftwagen (Bild 2), eines Torsionsprüfstandes für Rennfahrzeuge (Bild 3), eines Prüfstandes für Elektrolüfter (Bild 4), Tools zur Optimierung in der Entwicklung (Bild 5), der Telematikerfassung für verbrauchsoptimiertes Fahren bei Nutzfahrzeugen (Bild 6), einer Rampensteuerung für eine Tiefgarage (Bild 7), über das Auslesen und die Auswertung von CAN-Bus- und GPS-Daten mit einem Raspberry Pi-Minicomputer (Bild 8), sowie die Betriebsmittelrecherche in der Vorserienwerkstatt der AUDI AG (Bild 9), weiter über ein selbstgebautes Elektrofahrrad (Bild 10), bis hin zum Bau einer Fehlerschaltbox für die Motorsteuerung eines Smart (Bild 11), reichte der Spannungsbogen der Projektarbeiten. Neben hohen fachlichen und zeitlichen Anforderungen waren Teamarbeit und Sprachkompetenz in Englisch gestellte Herausforderungen, durch die begleitenden Lehrkräfte.

Besonders bemerkenswert und hervorzuheben waren gleich mehrere Projekte. Sie sollen hier kurz vorgestellt werden.

Die Projekte

Ergonomische Arbeitsplätze sind für die Gesunderhaltung der Mechaniker besonders wichtig. Die Montage schwerer Lkw-Reifen fällt hier darunter. Diese Problematik gingen zwei Schüler an und bauten ein 1:1 Modell für eine Montagehilfe zur Verschraubung von Lkw-Reifen, das bei MAN in der Vorserie auch eingesetzt werden soll (Bild 2). Alexander Hausmann und Giuseppe Troisi bauten im Auftrag der Fa. Technik-Service Puschner ein 1:10 Modell einer Tiefgaragen Rampe mit dazugehöriger Steuerung (Bild 7).

Montagehilfe Lkw Reifen

Bild 2 Montagehilfe (eigenes Bild) Die beiden Schüler entwarfen und bauten ein 1:1 Modell einer Montagehilfe für Lkw-Reifen

Modell Rampensteuerung

Bild 7 Rampensteuerung (eigenes Bild) Im Auftrag der Fa. Technik – Service Puschner bauten die Schüler ein 1:10 Modell einer Rampe mit dazugehöriger Steuerung

Das Projektziel eines weiteren Teams war die Entwicklung, Konstruktion und Fertigung eines Torsionsprüfstandes für CFK-Monocoques sowie die Durchführung einer Torsionsmessung. Verwendet wurde dabei das Monocoques der municHMotorsport e.V., das ein Formula Student Rennteam der Hochschule München stellt (Bild 3).

Torsionsprüfer Monocoque

Bild 3 Torsionsprüfer (eigenes Bild) Einen Torsionsprüfstand für CFK-Monocoques entwickelten und bauten die angehenden Techniker (rechts im Bild) für das Formula Student Rennteam (links im Bild)

Bei der Entwicklung eines Lüfterprüfstands für die Fa. Bertrandt waren neben der Funktionserfüllung auch Arbeitssicherheit, Bedienungsfreundlichkeit, Preis, und die Erweiterbarkeit Zielvorgaben. Neben einer analogen wurde auch eine PWM-Ansteuerung und Fehlerschaltungen eingebaut (Bild 4).

Lüfterprüfstand

Bild 4 Lüfterprüfstand (eigenes Bild) Einen Lüfterprüfstand mit zwei Ansteuerungen und Fehlerschaltung entwarf und baute ein weiteres Team

Für das Presswerk der Audi AG in Ingolstadt wurde ein Presswerkzeug für das Heckabschlussteil prozessoptimiert. Durch die nun optimalere Werkzeugausnutzung konnte eine Steigerung der Hubzahl, kürzere Fertigungszeiten und somit eine effizientere Produktion verwirklicht werden (Bild 5). Ein weiteres Projekt in Verbindung mit der Audi AG steuerte die einzige weibliche Technikerschülerin Julia Rehm bei: Sie recherchierte detailliert über die Betriebsmittel in der Vorserienwerkstatt der AUDI AG (Bild 9). Auch ein Einzelkämpfer war Maximilian Wirsig, der die Planung und Fertigung eines Fahrrades mit reinem elektrischem Antrieb übernommen hatte (Bild 10).

Werkzeug zur Prozessoptimierung

Bild 5 Prozessoptimierung (Hans Graßl) Durch das verbesserte Werkzeug spart die Audi nun jeden Tag Geld in der Produktion ein

Betriebsmittelrecherche

Bild 9 Betriebsmittel (Hans Graßl) Durch die Recherche der Betriebsmittel durch Julia Rehm kann die Vorserienproduktion optimiert werden

Elektrofahrrad

Bild 10 Elektrorad (Hans Graßl) Mit geringsten Mitteln baute Max Wirsig ein Elektrorad

Die Projektarbeit von Daniel Bindemann und Daniel Busch war ein Teil der Doktorarbeit von Hr. Süßmann von der TU München. Titel der Doktorarbeit ist „Analyse von kundenspezifischen Verbrauchseinsparpotentialen durch Aerodynamik-, Rollwiderstands- und Leichtbaumaßnahmen“. Während des Projekts wurde u.a. eine Analyse der Abgreifmethoden des Signals zur Erfassung der FMS CAN Bus Daten eines MAN Lkws durchgeführt. Anschließend wurde ein Adapterkabel gefertigt und Daten aufgenommen (Bild 6).

Datenabgriff Lkw

Bild 6 Datenabgriff (Hans Graßl) Daniel Busch und Daniel Bindemann griffen MAN Daten ab, um die Kosten zu senken

In einer weiteren Projektarbeit für fahrzeugtechnische Kommunikationssysteme gelang Stefan Bernhard, Dominik Riedel und Orcun Tekin der Zugriff auf die CAN-Bussysteme eines BMW 335i Hybrid mit Raspberry Pi.  Die CAN-Bus Daten wurden u.a. auf dem Leistungsprüfstand mit Prüfstandsdaten verglichen und dargestellt bzw. im Straßenverkehr mit GPS Daten verknüpft (Bild 8). An einem weiteren Schulfahrzeug, einem Smart Fortwo bauten Matthias Lerch und Daniel Schaller eine pfiffige Fehlerschaltbox für die Fehlersuche im Berufsschulunterricht am Motormanagementsystem ein (Bild 11).

Datenabgriff mit Raspberry Pi

Bild 8 Datenabgriff 2 (eigenes Bild) Die CAN-Bussysteme eines BMW 335i Hybrid mit Raspberry Pi wurden von diesen Jungs abgegriffen

Fehlerschaltbox

Bild 11 Fehlerbox (Graßl) Die Fehlerschaltbox wurde in eine Geldkassette integriert

Die Bandbreite der Projektarbeiten war wie man erkennen kann sehr vielfältig. Aber im Grunde stand den Schülern nur der Montag für die Projektarbeit zur Verfügung, da ja normaler Unterricht nach Lehrplan auch noch stattfand. Da sich dies bei einigen Projekten mit der Industrie nicht vereinbaren ließ, mussten auch schon mal die Ferien herhalten. So kamen teilweise mehrere hundert Arbeitsstunden zustande. Die Schüler haben sich ihre Projekte übrigens selbst ausgesucht und bei den betroffenen Firmen den Kontakt selbst hergestellt. Die Finanzierung erfolgte von den Firmen, teils auch vom Schulträger oder wie beim Elektrofahrrad vom Schüler selbst. Insgesamt stellten damit die Technikerschüler unter Beweis, dass sie kreativ und eigenständig in der Lage sind, insbesondere im Bereich der Fahrzeugentwicklung, Aufgaben mit hoher Fachkompetenz zielführend lösen.

Nun stehen die mehrtägigen Abschlussprüfungen mit einem theoretischen und praktischen Teil im Juni 2014 an. Als „Staatlich geprüfte Techniker mit Schwerpunkt Fahrzeugtechnik und Elektromobilität“ können die Absolventen dann verantwortungsvolle Aufgaben z.B. bei Automobilfirmen oder Zulieferern übernehmen. Für viele der Schüler, die überwiegend als Kfz-Mechatroniker aus Industrie und Handwerk kommen, ist die zweijährige Technikerausbildung ein guter Kompromiss zwischen der Meisterschule und einem Ingenieursstudium. Wird noch die Zusatzprüfung in Mathematik bestanden, dann können die Absolventen durch die so erworbene Fachhochschulreife dann auch studieren.

Voraussetzungen für die Technikerausbildung

Die Technikerausbildung kostet am Städtischen Berufsschulzentrum für Fahrzeugtechnik in München im Gegensatz zu den privaten Trägern, bis auf das Material- und Papiergeld, nichts, da es sich um eine staatliche Schulbildung handelt. Voraussetzung, um sich für eine Technikerausbildung anzumelden, ist eine abgeschlossene Berufsausbildung in den Bereichen Metall- oder Fahrzeugtechnik oder als Mechatroniker. Außerdem ist eine einjährige Berufserfahrung nachzuweisen. Die zweijährige Ausbildung vertieft diese und fördert darüber hinaus die Allgemeinbildung. Sie befähigt die Teilnehmer dazu, künftig Aufgaben in der mittleren Führungsebene eines Betriebes zu übernehmen. Sie bereitet aber auch auf eine mögliche unternehmerische Selbstständigkeit vor und bildet darüber hinaus die Grundlage zum Erwerb der Fachhochschulreife.

Weitere Infos finden Interessierte auch unter www.tskfz.musin.de

 

Ein Technikerschüler, Schulleiter Wolfgang Keil, Autor Johannes Wiesinger

Juni 2014

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Autor: Johannes Wiesinger

bearbeitet: 19.02.2015






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