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Keilriemen - ein Überblick |
Hans-Dietrich Zeuschner, 07.08
100 Biegewechsel in
der Sekunde
Keilriemen,
ein Überblick
Vor rund 200 Jahren entwickelte der Forscher
Eytelwein die Berechnungsgrundlagen
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Bild
1 (Dechentreiter) Flachriemenantriebe (1962) |
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Bild 2
(Claas) Keilriemenantriebe (1964) |
Als Folge dessen wurde der
Anteil an Textilien im Inneren des Keilriemens
reduziert und dafür der Gummianteil vergrößert. Durch diese Veränderung
und erhebliche Verbesserungen in Bezug auf Werkstoff und Konfektion
hat der Keilriemen immer mehr an Bedeutung gewonnen und wurde zu dem
heute auch einem technischen Laien nicht unbekanntem Maschinenelement.
Nach
den beiden Weltkriegen löste in vielen Fällen der klassische Keilriemen den
Flachriemen ab, in den sechziger
Jahren eroberte der Schmalkeilriemen praktisch alle Zweige des Maschinenbaus.
Heute ist dieses Maschinenelement an einer Vielzahl von stationären
Maschinen sowie im Kraftfahrzeug-, Land- und Baumaschinenbau
zu finden. Vom Fachhandel
angeboten werden die Bauformen Normal-, Schmal-, Breit-, Doppel-,
Verbundkeilriemen, Keilrippenriemen. Hinzu kommen Sonderformen wie z.B.
Hochleistungs-Schmalkeilriemen - flankenoffen, formgezahnt. Sie sind im
Hinblick auf Riemengeschwindigkeit
(bis 40 m/s) und Biegefrequenz (bis
100 1/s) höher belastbar.
Anwendungsbeispiele
nach optibelt
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Tabelle 1 Welcher Riemen passt zu welcher Anwendung |
Funktion
Sowohl beim Flach- als auch beim Keilriemen
geschieht die Kraftübertragung durch Reibschluss
(Kraftschluss). Im Gegensatz zum Flachriemen übertragen beim Keilriemen die
seitlichen Begrenzungsflächen, kurz „Flanken"
genannt, die Kraft auf die Seitenwände
der Keilrillen der Scheiben und
umgekehrt. Die hierfür
erforderliche Anpresskraft d.h. die Normalkraft
wird durch Vorspannung des Riemens erzeugt. Sie richtet sich nach der Größe
des zu übertragenden Drehmoments. Bei sachgemäßer Antriebsauslegung und
einwandfrei gearbeiteten Scheiben kann mit einem Wirkungsgrad von mindestens 95%
gerechnet werden. Die Anwendung von Riemenwachs etc., um die Haftreibung zu erhöhen,
ist nicht nur überflüssig sondern
Verschleiß fördernd.
Keilriemenspannung
Das Dehnungsverhalten wird weitgehend vom
Material des Zugstrangs und der Konstruktion bestimmt. In der Regel muss die
Keilriemenspannung das erste Mal
nach einer kurzen Einlaufzeit und
bei nicht wartungsfreien Exemplaren danach in größeren Zeitabständen geprüft
und gegebenenfalls korrigiert werden. Geschieht das nicht, so läuft man Gefahr,
dass durch den erhöht auftretenden Schlupf der betreffende Keilriemen durch
Beschädigung der Gewebeumhüllung sowie übermäßige Wärmeeinwirkung
frühzeitig ausfällt. Damit verbunden ist selbstredend eine erhebliche
Verringerung des Wirkungsgrades.
Als Faustregel gilt in Werkstattkreisen, dass die Vorspannkraft
beim Keilriemenantrieb mit festem Achsabstand
das 1,5fache der zu übertragenden Umfangskraft sein soll. Die
Umfangskraft errechnet sich aus der bekannten
Formel.
Die Daumendruckmethode, um die
Keilriemenspannung zu
bestimmen (nicht zu messen), kennt jeder Monteur.
Bedeutend exakter kann die Spannung mit Hilfe von Spezialgeräten
ermittelt werden, die der Fachhandel
anbietet.
Biegefrequenz-Spannrollen
Mit ausschlaggebend für die Lebenserwartung
eines Keilriemens ist die Biegefrequenz,
Wird
eine von innen nach außen wirkende Spannrolle verwendet, muss
sich der Keilriemen bei einem Umlauf
dreimal krümmen und ebenso oft wieder strecken. Wird ein Keilriemen nun aber
sogar durch eine Rückenspannrolle (von außen nach innen wirkend) gewissermaßen
gegen seinen„natürlichen“ Aufbau gekrümmt, so wird die Lebenserwartung herabgesetzt.
Rückenspannrollen tragen nicht zu
Unrecht in Fachkreisen die Bezeichnung „Genickschussrolle". Für
klassische Keilriemen DIN 2215 wird die Grenze der zulässigen Biegefrequenz
zwischen 40 bis 60 1/s und für Schmalkeilriemen DIN 7753 zwischen 80 bis 100
1/s angegeben.
Konstruktionsarten
Vorstehend ist bereits auf zwei verschiedene
heute gebräuchliche Keilriemen-Bauarten hingewiesen worden, die sich durch ein
unterschiedliches so genanntes Höhen- Breiten-Verhältnis unterscheiden. Um den
Typenwirrwarr, der sich bei zunehmendem Bekannt werden des Antriebselementes
durch die verschiedene Werksnormen ausbreitete, zu bereinigen, wurden die
Keilriemen für den Maschinenbau, auch „Klassische Keilriemen" genannt,
im Jahr 1940 genormt. Keilriemen nach DIN 2215 weisen ein Höhen-Breiten-Verhältnis
von 1 : 1,6 auf. Außer diesen Maßen
sind im Normblatt für jedes Profil weitere Bestimmungsgrößen wie z. B. Nennlänge
und Auslieferungstoleranz festgelegt. Die Nennlängen (Innenlängen) sind bei
Keilriemen nach DIN 2215 nach Normzahlreihen gestaffelt. Normzahlen dienen zur
Vereinheitlichung von Größen aller Art wie z.B. Abmessungen, Kräfte,
Drehzahlen. Die Grundreihen sind gerundete Glieder dezimalgeometrischer Reihen.
Aus fertigungstechnischen Gründen ist ebenfalls
die Auslieferungstoleranz genormt.
Sie beträgt
+0,5% bis -1% von der Nennlänge. Will man in der Praxis z. B. einen
Keilriemen vom Profil 32 mit einer Innenlänge von 3150 mm bestellen, so lautet
die normgerechte Bezeichnung
1 Stück Keilriemen 32 X 3150 DIN 2215.
Man kann dann einen Keilriemen erhalten, der
entsprechend der genannten Auslieferungstoleranz eine effektive Innenlänge von
3150 - 32 = 3130 mm bis 3150+16 = 3166 mm aufweist.
Die effektive Innenlänge kann nur auf
Spezialmessmaschinen, wie sie die Herstellerwerke
Für Keilriemensätze besteht außer der
genannten Auslieferungstoleranz eine Feintoleranz. Zusätzlich darf der
Keilriemen eines Satzes mit dem größten gemessenen Effektivmaß nicht mehr als
0,25% von dem Keilriemen mit dem kleinsten gemessenen Effektivmaß abweichen. Da
aber jeder Keilriemen nur die Nennlänge, nicht aber die gemessene Effektivlänge
als Bezeichnung trägt, erkennt man deutlich, wie wichtig es für die
Lebenserwartung eines Keilriemens bzw. eines Keilriemensatzes ist, dass z. B.
die Nachstellvorrichtung richtig
bemessen ist und nur ausgemessene gebündelte Keilriemensätze für mehrrillige
Antriebe verwendet werden dürfen und nicht etwa nur der eine evtl. schadhafte
Riemen ausgewechselt werden darf.
Ersatzbeschaffung
Um von einem stark verschlissenen und gerissenen
Keilriemen die ursprüngliche Abmessung (nicht die effektive Länge) zu
ermitteln, verfährt man am besten folgendermaßen: Mit dem Messschieber werden
Höhe und Breite des Profils an mehreren Stellen gemessen. Aus dem Normblatt
oder der Ersatzteilliste werden dann
die Profilmaße ausgesucht, die den gemessenen Werten am nächsten liegen.
Notfalls knn man sich auch, wenn keine Tabellenwerte vorhanden sind und man nur
die Breiten der Keilriemen kennt,
die zugehörigen Höhen aus dem Höhen-Breiten-Verhältnis von 1: 1,6 (für
klassische Keilriemen DIN
2215) errechnen. Die Nennlänge (Innenlänge) ermittelt man, indem man den
gestreckten Keilriemen misst und von dem gemessenen Wert (es ist die Mittellänge)
zwei Mal die Profil breite (ungefähr die Differenz von MitteI- und Innenlänge)
sowie zusätzlich etwa 3% der gemessenen Länge (für vorhandene Dehnung)
abzieht. Mit diesem Ergebnis sucht man
sich aus
Benennungen
| 17
x 2000 Li
bedeutet Klassischer Keilriemen DIN 2215
/ ISO 4184 Breite bo=17mm;
Riemeninnenlänge = 2000 mm (Außenlänge berechnet La = Li+69) |
| SPA
x 982 Lw 12,5 x 1000 La
bedeutet Schmalkeilriemen DIN 7753 Teil1 / ISO 4184 Breite bo= 12,7 mm; Riemenaußenlänge
= 1000 mm ; Lw ist die Wirklänge (Innenlänge berechnet L I= La-63) |
Übersicht
1
Bei
optibelt im Angebot:
![]() Übersicht 1 - Riemenarten im Bild; vgl. auch Tabelle 1 |
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Tabelle 2
Keilriemennormen
|
DIN 2211
Teil1 - Schmalkeilriemenscheiben;
Maße, Werkstoff – 3/84 DIN 2211
Teil 2 - Schmalkeilriemenscheiben; Prüfung der Rillen DIN 2215
Endlose Keilriemen; Maße – 3/75
DIN 2217
Teil 1 - Keilriemenscheiben für klassische Profile; Maße,
Werkstoff DIN 2217
Teil 2 - Keilriemenscheiben für klassische Profile; Prüfung der
Rillen DIN 2218
Endlose Keilriemen klassische Profile für den Maschinenbau;
Berechnung der Antriebe, Leistungswerte DIN 7753
Teil 1 - Endlose Schmalkeilriemen für den Maschinenbau; Maße
-1/88 DIN 7753
Teil 2 – Endlose Schmalkeilriemen für den Maschinenbau;
Berechnungsgrundlage – 4/76 * DIN 7753
Teil 3 - Endlose Schmalkeilriemen für den Kraftfahrzeugbau; Maße
der Riemen und Scheibenrillenprofile DIN 7753
Teil 4 - Endlose Schmalkeilriemen für den Kraftfahrzeugbau; Ermüdungsprüfung Zur Ergänzung: DIN 7753
Teil 1 - Hochleistungs-Schmalkeilriemen, flankenoffen, formgezahnt
DIN 2211
Teil
1 – Keilriemenscheiben; Maße DIN 2217
Teil 1 – Keilriemenscheiben; Maße DIN 323
Teil 1/2 – Normzahlen - 11/74 *) Die hier genannten Nennleistungswerte sind heute überholt. Sie stammen aus der Zeit, als die Zugstränge von klassischen Keilriemen in Reyoncord (Kunstseide) gefertigt wurden und liegen weit unter den von den Herstellern Continental und Optibelt veröffentlichten Angaben |
| Wartungsfrei
elektrisch leitfähig temperaturbeständig
Kosten Laufruhe Lebensdauer staubgeschützt Umweltfreundlichkeit Wirkungsgrad Zugfestigkeit tropentauglich |
Laufgenauigkeit
Laufzeit dehnungsarm
keine Nachspannvorgänge ölbeständig Satztoleranzen, längengleich Leistungsniveau elektrische Leitfähigkeit Biegewilligkeit
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Leistungsvermögen der Conti-Schmalkeilriemen
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Bild 4 Leistungsvermögen der Conti-Schmalkeilriemen |
Obwohl das Maschinenelement Keilriemen auf allen Sektoren
des Maschinen- und Fahrzeugbaus und darüber hinaus millionenfach im Einsatz
ist, wird ihm in Fachbüchern wenig bis gar keine Beachtung gezollt. Sollte es
daran liegen, dass das Informationsmaterial der Hersteller so informativ ist?
Ich bedanke mich bei den Firmen Optibelt und
bei ContiTech für die vorstehend
verarbeiteten Informationen aus Prospekten und aus dem Internet. Dort sind
ebenfalls vollständige Anleitungen zur Konstruktion von Keilriemenantrieben zu
finden.
Hans-Dietrich Zeuschner
Weitere Seiten von Herrn Zeuschner finden Sie hier
Der Fachbeitrag wurde weder gekürzt noch inhaltlich verändert.
Wiesinger
30.11.2010