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Führerschein mit 17: Alles Wichtige zur Fahrerlaubnis für Minderjährige

 

In den USA erhalten Jugendliche die Fahrerlaubnis bereits seit Jahrzehnten im Alter von 16 Jahren und dürfen dann alleine ein Fahrzeug führen. Nach zähem Ringen und einigen Modellversuchen existiert seit 2011 auch in Deutschland flächendeckend eine Lösung, die jedoch mit wesentlich mehr Einschränkungen verbunden ist: Es handelt sich um den Führerschein mit 17. Doch macht begleitetes Fahren überhaupt Sinn und wo liegen die Vor- und Nachteile? Dieser Artikel zieht eine Bilanz.

Junger Autofahrer

Der Führerschein für Minderjährige ist in Deutschland eher unüblich - Bild: pexels.com

Begrenzte Freiheit für Führerscheinneulinge

Unabhängigkeit – das ist der Wunsch vieler Jugendlicher. Sie möchten nicht mehr mit Bus und Bahn unterwegs sein oder sich von ihren Eltern fahren lassen. Fände die deutsche Regelung zum Führerschein mit 17 Anlehnung an die Gesetze in den USA, wäre dieses Ziel tatsächlich erreicht. Die Realität sieht jedoch anders aus: Eine erfahrene Begleitperson muss stets mit an Bord sein.

Welche Vorgaben gelten für den Führerschein mit 17?

Seit 2011 dürfen Teenager in Deutschland bereits mit 16,5 Jahren die Fahrschule besuchen. Nach bestandener Prüfung und dem 17. Geburtstag wird dem Fahranfänger von seiner zuständigen Zulassungsstelle eine sogenannte Prüfungsbescheinigung ausgehändigt, die auch als Vorstufe des späteren Führerscheins bezeichnet werden kann.

Grundvoraussetzung für den Führerschein mit 17 ist es, dass eine geeignete Begleitperson mit im Auto sitzt. Diese Begleitperson muss relativ strengen Anforderungen genügen. Zunächst muss der Beifahrer mindestens fünf Jahre lang im Besitz des Führerscheins der Klasse B und mindestens dreißig Jahre alt sein. Übermäßig junge Fahrer wie Freunde oder Geschwister scheiden hierdurch zum Großteil bereits aus. Hinzu kommt, dass der Begleiter seit 2014 nicht mehr als einen Punkt auf seinem Konto in Flensburg haben darf. Dies führt nicht selten dazu, dass auch Vater oder Mutter das Prädikat „ungeeignet“ erhalten.

Die Anzahl der Begleitpersonen ist nicht begrenzt, jedoch muss jede von ihnen im Rahmen der Antragstellung namentlich benannt und eingetragen werden. Spontane Wechsel oder die Hinzunahme nicht eingetragener Begleiter sind daher nicht möglich, was eine weitere Einschränkung darstellt. Ferner gilt auch für den Mitfahrer eine Promille-Grenze von 0,5 und die Pflicht, den Führerschein mitzuführen. Weniger bekannt ist, dass der Begleiter nicht zwingend auf dem Beifahrersitz Platz nehmen muss – er darf sich während der Fahrt auch im Fond befinden. Der Führerschein mit 17 berechtigt im Übrigen nicht zum Fahren im Ausland. Einzige Ausnahme ist Österreich, das die deutsche Prüfbescheinigung zum begleiteten Fahren anerkennt.

Wie lange ist die Probezeit und welche Konsequenzen haben Verstöße?

Die Probezeit beträgt beim Führerschein mit 17, wie auch bei der normalen Fahrerlaubnis, zwei Jahre. Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahrs gilt: Das Fahren ohne eingetragene Begleitperson oder ohne Sonderbescheinigung wird rechtlich mit einem Fahren ohne Fahrerlaubnis gleichgesetzt. Verstöße werden mit einem Punkt im Fahreignungsregister (früher: Verkehrszentralregister) und einem Bußgeld von 70 Euro geahndet. Weiterhin wird die Fahrerlaubnis entzogen und erst nach einem Aufbauseminar wieder ausgehändigt. Das BMVI hat auf seinen Seiten alle Maßnahmen bei Zuwiderhandlungen aufgelistet.

Begleitetes Fahren ist ein Erfolgsmodell

Erfahrungswerte zeigen, dass ein vorzeitiges Fahren Vorteile für Anfänger wie auch andere Verkehrsteilnehmer hat. Untersuchungen belegen eindeutig: Teenager, die bereits mit 17 Jahren die Führerscheinprüfung absolviert haben und die einjährige Übungsphase in Anspruch nehmen, fahren deutlich sicherer und verursachen weniger Unfälle. Auch die Anzahl von Verstößen (Abstand, Geschwindigkeit usw.) ist bei diesem Personenkreis geringer. Diese positiven Auswirkungen entstehen, weil erfahrene Begleiter wie eine „verlängerte Fahrschule“ wirken. Sie geben dem Anfänger jederzeit hilfreiche Praxistipps und können vor Gefahrensituationen warnen. Umfragen belegen, dass sich Fahranfänger nicht bevormundet, sondern durch die Begleitung sogar sicherer fühlen.

Sogar finanziell kann sich begleitetes Fahren später lohnen. Unter bestimmten Voraussetzungen sind Rabatte bei Autoversicherungen möglich. So stuft beispielsweise der ADAC Teilnehmer des Führerscheins mit 17 nicht wie sonst üblich mit 240 %, sondern lediglich mit 100 % ein.

Zusammengefasst ist der Führerschein mit 17 eine Erfolgsgeschichte, was sich an den geringeren Unfallzahlen und Verkehrsverstößen zeigt. Lediglich die Einschränkungen im Hinblick auf die Begleitperson stellen manche Fahranfänger vor Herausforderungen. Sind diese jedoch gemeistert, trägt begleitetes Fahren deutlich zur Sicherheit auf deutschen Straßen bei.

 

 

 

 


Autor: Johannes Wiesinger

bearbeitet: 21.11.2016















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