Bremsbelagverschleiß sicher erkennen
Bremsbelagverschleiß sicher erkennen: typische Symptome, Mindestdicken, HU-Prüfkriterien, ECE-R90-Kennzeichnung und Tipps zum passenden Ersatzteilbezug.
Die Bremsanlage zählt zu den wichtigsten sicherheitsrelevanten Baugruppen eines Fahrzeugs. Verschleiß an Bremsbelägen und Bremsscheiben entsteht schleichend, kann die Bremswirkung aber deutlich beeinträchtigen. Entscheidend ist deshalb nicht das subjektive Fahrgefühl, sondern die fachgerechte Prüfung von Belagstärke, Scheibendicke, Oberfläche und Bremswirkung.
Wer den Verschleiß rechtzeitig erkennt, vermeidet Mängel bei der Hauptuntersuchung, reduziert Folgeschäden und erhält die Betriebssicherheit des Fahrzeugs. Für Werkstätten und technisch interessierte Fahrzeughalter sind klare Prüfkriterien, passende Ersatzteile und die Einhaltung der geltenden Vorgaben daher gleichermaßen wichtig.

Die Bremsanlage zählt zu den wichtigsten sicherheitsrelevanten Baugruppen eines Fahrzeugs
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Typische Anzeichen und erste Messwerte
Bremsbeläge und Bremsscheiben verschleißen bei jedem Bremsvorgang. An der Vorderachse ist der Verschleiß meist höher, weil dort ein größerer Anteil der Bremsarbeit geleistet wird. Hinweise auf fortgeschrittenen Verschleiß sind Schleif- oder Kratzgeräusche, eine aufleuchtende Verschleißanzeige, Vibrationen beim Bremsen, ein pulsierendes Bremspedal oder ein längerer Bremsweg. Bei Scheibenbremsen sollte die Reststärke des Reibbelags in der Regel nicht unter etwa 2 bis 3 mm sinken; bei Trommelbremsen gelten je nach Bauart häufig rund 1 mm als kritischer Bereich. Gemessen wird immer der reine Reibbelag ohne Trägerplatte. Die exakten Grenzwerte gibt jedoch der Fahrzeug- beziehungsweise Bremsenhersteller vor.
Für die Ersatzteilidentifikation sind die Angaben aus der Zulassungsbescheinigung Teil I hilfreich. Aus der Zulassungsbescheinigung (früher: Fahrzeugschein) mit den Typschlüsselnummern HSN und TSN lässt sich auch ohne Besuch bei der Werkstatt preiswert im Internet
Autoteile einkaufen. Beim Online-Kauf sollten zusätzlich Achsposition, Bremsanlage, PR- beziehungsweise Ausstattungscodes und vorhandene Verschleißsensoren geprüft werden. So lassen sich Fehlbestellungen vermeiden und Bauteile passend zur verbauten Bremsanlage auswählen.
Prüfkriterien bei der Hauptuntersuchung
Die Bremsanlage ist ein zentraler Bestandteil der
Hauptuntersuchung nach § 29 StVZO. Prüforganisationen wie TÜV, DEKRA, GTÜ oder KÜS kontrollieren unter anderem Bremswirkung, Gleichmäßigkeit der Bremskräfte, Feststellbremse, Leitungen, Schläuche, Beläge, Bremsscheiben beziehungsweise Bremstrommeln sowie den Zustand der Bremsflüssigkeit. Werden Belagstärke oder Scheibendicke unter die vom Hersteller vorgegebene Mindestgrenze unterschritten, liegt ein erheblicher Mangel vor; die Prüfplakette wird dann nicht zugeteilt.
Die Mindestdicke einer Bremsscheibe ist häufig als MIN TH, MIN THK oder Discard Thickness am Bauteil angegeben und wird an der dünnsten Stelle der Reibfläche gemessen. Riefen, Risse, Korrosion im Reibbereich oder ungleichmäßiger Verschleiß können ebenfalls beanstandet werden, wenn dadurch die Bremswirkung oder die Betriebssicherheit beeinträchtigt ist.

Zur exakten Bremsscheibendiagnose sind auch
genaue Messgeräte erforderlich
ECE-R90: Mindeststandard für Bremsenersatzteile
Für viele Bremsenersatzteile aus dem freien Teilemarkt gilt die
UN/ECE-Regelung Nr. 90. Sie legt Anforderungen an Ersatz-Bremsbeläge, Trommelbremsbeläge, Bremsscheiben und Bremstrommeln fest. Ursprünglich betraf die Regelung Bremsbeläge; später wurde sie auf Bremsscheiben und Bremstrommeln erweitert. Seit November 2016 müssen Bremsscheiben und Bremstrommeln für neu typgenehmigte Fahrzeugmodelle die ECE-R90-Anforderungen erfüllen. Zertifizierte Bauteile sind an einer Genehmigungskennzeichnung mit Länderkennung, Prüfnummer und dem Zusatz 90R erkennbar. Für Käufer ist diese Kennzeichnung ein wichtiger Hinweis darauf, dass das Teil definierte Prüf- und Qualitätsanforderungen erfüllt. Dennoch bleibt entscheidend, dass das Ersatzteil exakt zur verbauten Bremsanlage passt.
Rechtzeitig prüfen statt auf Warnsignale warten
Bremsverschleiß lässt sich nicht verhindern, aber zuverlässig überwachen. Sinnvoll ist eine
Sicht- und Funktionsprüfung bei jedem Radwechsel sowie bei Inspektionen oder auffälligem Bremsverhalten. Besonders Fahrzeuge ohne elektronische Verschleißanzeige sollten regelmäßig auf Belagstärke, Scheibendicke, Riefenbildung, Rost und gleichmäßigen Abrieb geprüft werden. Beim Teilekauf empfiehlt sich der Abgleich von HSN, TSN und fahrzeugspezifischen Bremsdaten sowie die Kontrolle der ECE-R90-Kennzeichnung. So kann der Austausch planbar, sicher und ohne Zeitdruck vor der nächsten Hauptuntersuchung erfolgen.
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