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Keine Vorführstunde ohne Gruppenarbeit und ohne (eigene) Arbeitsblätter

zu Zeuschners Seiten

 

Hans-Dietrich Zeuschner, 10.02

Das Thema Gruppenarbeit habe ich in meinem Aufsatz „Gruppenarbeit - Arbeit in Gruppen“ behandelt, der ebenfalls auf meinen Seiten zu finden ist, deshalb kann ich mich an dieser Stelle auf den zweiten in der Überschrift genannten Schwerpunkt beschränken. Im ersten Teil berichte ich nachfolgend von einem Unterrichtsbesuch, bei dem das Thema „Arbeitsblatt“ eine zentrale Rolle gespielt hat und stelle vier Varianten von Arbeitsblättern zum gleichen Thema vor. Danach füge ich das Arbeitsblatt zum Thema Arbeitsblatt an, das ich für meinen Sohn konzipiert habe, als er  im Vorbereitungsdienst noch nicht in der Phase der Klarheit angekommen war, alles besser machen wollte und damit zeitökonomisch zu stranden drohte.

 

1. Ein Thema -zwei Methoden - vier Entwürfe

   Zu Beginn der Fachstufe 1 in einer BS-Fachklasse Landmaschinenmechaniker erhält ein Studienreferendar anlässlich eines Fachleiterbesuchs den Auftrag, in die Unterrichtseinheit Der Dieselmotor einzusteigen. Zu dem genannten Zeitpunkt sind lediglich drei Schüler der Klasse bereits im Besitz des eingeführten Fachbuches Meiners,H. u.a.: Fachkenntnisse Landmaschinenmechaniker, Hamburg. Der Lehrplan der Schule weist in diesem Zusammenhang folgende Lernziele und Inhalte aus:

     

Tabelle 1 (Hrg. BBS II Lüneburg, Koordination H.-D. Zeuschner: Lehrplan Landmaschinenmechaniker             Landmaschinenmechanikerin, Lüneburg 1991 )

Der Referendar möchte mit einem allgemeinen Überblick über den Aufbau beginnen, bei dem die Schüler das bereits erworbene Wissen einbringen können und  er selbst einen Überblick über die Vorkenntnisse der Schüler gewinnen kann.

Unter der Überschrift „Bauteile des Dieselmotors“ findet er in dem eingeführten Fachbuch, S.8 ein Bild, das „den Quer- und den Längsschnitt eines Viertakt-Dieselmotors mit den wesentlichen Bauelementen“ nach Baugruppen geordnet, darstellt. Sowohl die Abbildung als auch der zugehörige Textteil ist sehr übersichtlich gestaltet (vgl. Bild 1). Der Studienreferendar findet zunächst keine Möglichkeit, im Unterricht mit diesem in qualitativer und in quantitativer Hinsicht perfekten Material zu arbeiten, obwohl er das gerne möchte. Schließlich kommt er auf die Idee, den Quer- und den Längsschnitt separat auf eine Folie zu kopieren und die Einzelteile sowie die Baugruppen im Unterricht mittels Lehrer-Schülergespräch ermitteln zu lassen.

 

Bild 1  (Meiners,H. u.a.: Fachkenntnisse Landmaschinenmechaniker, Hamburg 1993)

   Während der Nachbereitung mit dem Fachleiter und dem Ausbildungslehrer wird der relativ hohe Lehreranteil am Unterrichtsgespräch kritisiert und es wird nach Planungsalternativen gesucht. Es fällt das Zauberwort ‚Arbeitsblatt“ und relativ schnell findet man mehrere Möglichkeiten, die Seite 8 des Fachbuches in Arbeitsblätter umzuarbeiten, mit denen sich die Schüler in der Erarbeitungsphase ggf. unter Zuhilfenahme von Tabellenbüchern in Partnerarbeit befassen könnten.

Die vier nachstehend dargestellten Entwürfe werden entwickelt. Wie deutlich erkennbar, unterscheiden sie sich nicht nur optisch sondern auch im Hinblick auf den Schwierigkeitsgrad der Bearbeitung. Sie sind bei entsprechender Organisation in einer Klasse in arbeitsteiliger Gruppenarbeit  bzw. zur Binnendifferenzierung einsetzbar.

 

                                                                                  Entwurf 1

 

                                                                                  Entwurf 2

 

                                                                                  Entwurf 3

  

                                                                                  Entwurf 4

2.     Arbeitsblätter für den Unterricht, mein Problem?

Studienreferendare und Studienreferendarinnen klagen häufig während des Vorbereitungsdienstes über erhebliche Arbeitsbelastung. Die Ursache hierfür liegt häufig in der Tatsache begründet, dass sehr viel Zeit für das Anfertigen von eigenen Arbeitsblättern i.w.S. aufgewendet wird, weil vorhandene Lehrbücher und/oder Arbeitsblätter oder sonstige Printmedien ihren Vorstellungen nicht vollständig entsprechen. Die nachstehenden Checklisten sollen den betroffenen Lehrkräften im Vorbereitungsdienst dazu dienen, ihr Verhältnis zu Arbeitsblättern kritisch zu reflektieren und ggf. zu revidieren:

 

Meine Begründung für die Notwendigkeit des Einsalzes eines Arbeitsblatts in dem bevorstehenden Unterricht:

Bitte ankreuzen !

Die Arbeit mit einem Arbeitsblatt

(   ) ist dringend erforderlich

(   ) wäre sinnvoll

(   ) ist nicht unbedingt notwendig

(   ) ist nicht erforderlich

 

Das Arbeitsblatt stellt ein organisches Glied der Gesamtplanung dar, hinsichtlich

(   ) Zielsetzung des Unterrichts

(   ) Aktualität des Inhalts

(   ) Psychologisch-didaktisches Vorgehen

(   ) Organisation des Unterrichts

(   ) Sozialen Interaktionen in der Klasse

 

Der  Einsatz eines Arbeitsblattes ist erforderlich aus

(   ) didaktischen i.e.S.

(   ) methodischen

(   ) lernpsychologischen

(   ) zeitökonomischen Gründen

 

Das Arbeitsblatt soll

(   ) anregen

(   ) fördern

(   ) kontrollieren

(   ) sichern.

 

Es soll die Schüler

(   ) motivieren

(   ) aktivieren

(   ) informieren

 

Es soll das Lehrbuch

(   ) ergänzen

(   ) erübrigen

hinsichtlich

(   ) Umfang

(   ) Schwierigkeitsgrad

des Inhalts bzw. der Aufgaben

 

Ein Arbeitsblatt

(   ) ist vorhanden

(   ) muss geändert werden

(   ) ist zu besorgen

(   ) muss angefertigt werden

 

Das vorhandene Arbeitsblatt

(   ) ist einsetzbar

(   ) hat geringfügige Schwächen

(   ) ist fehlerhaft

(   ) muss völlig überarbeitet werden

 

Der Zeitaufwand für das Anfertigen / Verändern

(   ) ist nicht nennenswert

(   ) ist vertretbar

(   ) ist beachtlich

(   ) ist groß

 

 

Meine bisherigen Erfahrungen mit Arbeitsblättern

 

Bitte ankreuzen!

   

   

   

Meine Unterrichtsvorbereitungen nehmen seit Beginn des Vorbereitungsdienstes einen

       (   ) nicht nennenswerten

(   ) nennenswerten

(   ) beachtlichen

(   ) außerordentlichen

Anteil meiner sonst frei verfügbaren Zeit in Anspruch.

 

  Arbeitsblätter

       (   ) stabilisieren das Unterrichtsgeschehen

       (   ) entlasten mich

(   ) verringern meinen Sprachanteil

       (   ) geben mir Auskunft über Lernerfolg bzw. -defizite

(   ) schaffen mir Freiraum für individuelle Hilfe je nach Situation.

 

     Die Anfertigung eines neuen Arbeitsblattes beansprucht von meiner Vorbereitungszeit am Schreibtisch / am PC durchschnittlich

       (   ) 10%   (   ) 25%    (   ) 33%   (   ) 50%   (   ) 75%   (   ) über75%

       in den Grenzen von ....  bis  ....  %

 

     Die Überarbeitung von vorhandenen Arbeitsblättern beansprucht von meiner Vorbereitungszeit am Schreibtisch / PC durchschnittlich

       (   ) 10%    (   ) 25%   (   ) 33%   (   ) 50%   (   ) 75%   (   ) über75%

       in den Grenzen von .... bis ....%.  

 

 

Bild 2  (nach Wicha,G.: Immer diese Lehrer, Hildesheim 1981)

 

Mögliche Ursachen dafür, dass die Anfertigung bzw. gelegentlich auch die Überarbeitung von Arbeitsblättern - relativ und absolut gesehen - für mich derart zeitaufwendig ist:

 Bitte hier ankreuzen!

(   )  Ich liebe es, Probleme gründlich zu untersuchen.  (   )
(   ) Ich brauche Zeit zum Nachdenken und Ausprobieren  (   )
(   ) Ich bin umsichtig und plane und entscheide mit großer Sorgfalt. (   )
(   ) Ich arbeite ordentlich und sauber.   (   )
(   )  Die grafische Gestaltung macht mir Spaß. (   )
(   ) Ich lege großen Wert auf Details. (   )
(   ) Ich befasse mich gerne mit Details und Einzelheiten. (   )
(   ) Ich arbeite Probleme nach verschiedenen Ansätzen durch. (   )
(   ) Ich schwanke oft lange, ehe ich Entscheidungen treffe.   (   )
(   ) Man sagt, ich wäre pingelig.    (   )
(   ) Ich neige dazu, in hohem Maße selbstkritisch zu sein. (   )
(   ) Ich delegiere normaler Weise ungern.    (   )
(   ) Ich verlasse mich nur ungern auf andere. (   )
(   ) Ich bin stolz auf meine eigene Leistung. (   )
(   ) Ich liebe Veränderung und Vielfalt. (   )
(   ) Ich langweile mich schnell, bei Routine und Wiederholung. (   )
 

Die vorstehende Analyse veranlasst mich, mein bisheriges Verhalten bei der Vorbereitung von Unterricht zukünftig im Hinblick auf die hier angekreuzten Aussagen  zeitökonomisch besser   zu organisieren.

 

 H.-D. Zeuschner

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Der Beitrag wurde weder gekürzt noch inhaltlich verändert. 

redaktionell bearbeitet 12.04.06

Wiesinger