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EU schreibt ABS für Motorräder vor

März 2013 / Dezember 2015 | Fahrwerk und Bremsen Sicherheit |

Sicherheit wird Standard

  •  EU schreibt Antiblockiersystem von 2016 an vor

  • ABS kann ein Viertel aller schweren oder tödlichen Unfälle verhindern

Ab dem Jahre 2016 wird das Antiblockiersystem (ABS) auch beim Motorrad zur Serienausstattung gehören. Denn ab dem 1. Januar 2016 gilt für neue Fahrzeugtypen die verbindliche EU-Verordnung 168/2013/EU. Diese schreibt zur Typgenehmigung für neu zuzulassende Krafträder über 125 cm3 Hubraum und über 11 kW Leistung einen serienmäßigen Antiblockierverhinderer vor, was nichts anderes als ein Antiblockiersystem (ABS) ist. Ausnahmen gelten für Wettbewerbs-Enduros und Trialmaschinen. Für die Erstzulassung treten die neuen Vorschriften dann am 1. Januar 2017 in Kraft.

Vorrangiger Grund für die Entwicklung eines ABS für Motorräder war es nicht wie beim Automobil den Bremsweg zu verkürzen, sondern in erster Linie die Sturzgefahr bei Vollbremsungen zu verhindern. Denn ein blockiertes Vorderrad führt in den meisten Fällen auch zu stürzen. Und die Technik des ABS ist mittlerweile soweit, dass selbst Testfahrer die Bremswege von ABS geregelten Motorrädern kaum unterbieten können.

ABS kann ein Viertel aller schweren oder tödlichen Motorradunfälle verhindern

ABS kann ein Viertel aller schweren oder tödlichen Motorradunfälle verhindern

 Ziel der neuen Regelung der EU ist es deshalb auch die Unfallzahlen weiter zu senken. Allein im Jahr 2011 starben in Europa rund 5 000 Motorradfahrer. „Ein serienmäßiges ABS kann gut ein Viertel aller schweren und tödlich verlaufenden Motorradunfälle verhindern“, fasst Gerhard Steiger, Vorsitzender des Bosch-Geschäftsbereichs Chassis Systems Control, die Ergebnisse einer Bosch-Unfallstudie zusammen. In den kommenden Jahren wird Bosch das ABS Schritt für Schritt weiterentwickeln und mit zusätzlichen Funktionen ergänzen. „Das Ziel ist der umfassende Schutz des Fahrers in allen Fahrsituationen“, so Steiger.

ABS Motorrad Bremsweg

Typischer Bremsweg eines Motorrads (Kuratorium für Verkehrssicherheit, Wien 2002

Mehr Sicherheit für alle Motorradklassen

Der EU-Regelung zufolge müssen alle Motorräder mit einem Hubraum größer 125 Kubikzentimeter verpflichtend mit einem Antiblockiersystem ausgerüstet sein. Dies gilt für alle Motorräder, deren Typzulassung nach dem 1. Januar 2016 erfolgt, sowie ab Januar 2017 für alle Neuzulassungen. Kleinere motorisierte Zweiräder mit Hubräumen größer 50 Kubikzentimeter benötigen ebenfalls ein ABS oder ein sogenanntes kombiniertes Bremssystem. Letzteres stellt eine mechanische Verbindung zwischen Vorder- und Rückbremse her, so dass beim Bremsen immer beide Räder verzögert werden. Eine Regelung des Bremsdrucks erfolgt hier jedoch nicht – die Räder können weiterhin blockieren.

Bosch bietet für jede Leistungsklasse die passende Lösung

Bereits seit 2010 fertigt Bosch das bis dato weltweit kleinste und leichteste Antiblockiersystem für Motorräder. Von der Bremsregelsystem-Generation 9 sind verschiedene Varianten verfügbar. Auf Basis eines standardisierten Baukastens kann Bosch damit jedem Motorradhersteller das jeweils passende System anbieten. Einstiegsvariante ist das Anfang 2013 startende ABS 9 light. Es bietet einen Blockierschutz für das Vorderrad und ist daher ideal geeignet für die kostengünstigen Motorräder in den aufstrebenden Märkten Asiens, die oftmals nur einen hydraulischen Bremskanal haben. Das Produktprogramm reicht weiter vom ABS 9 base, das bereits den vollen Blockierschutz an beiden Rädern bietet, über das ABS 9 plus zum ABS 9 enhanced mit zusätzlicher eCBS-Funktion: Hier genügt es, nur eine der beiden Bremsen – wahlweise vorne oder hinten – zu betätigen. ABS 9 enhanced schaltet die zweite Bremse automatisch zu, ohne dass die Bedienkraft für den Fahrer steigt oder die Dosierung sich verändert.

Seit 2013 gibt es auch Traktionskontrolle, die das Beschleunigen auf rutschigem Untergrund verbessert, und zudem die ABS-Zusatzfunktion Off-Road Control, die die Regelung von ABS und Traktionskontrolle an den Untergrund anpasst. Auf Sand und Schotter beispielsweise ist man damit noch sicherer und zugleich dynamischer unterwegs. Für größtmögliche Sicherheit bei leistungsstarken Maschinen sorgt auch die Motorrad-Stabilitätskontrolle MSC. „Dieses System unterstützt erstmals in allen Fahrsituationen, also auch beim Bremsen und Beschleunigen in Schräglage“, so Steiger. Für die Berechnung der Bremseingriffe muss MSC den jeweils aktuellen Neigungswinkel der Maschine kennen. Diesen Wert liefert der neue Bosch-Schräglagesensor SU-MM5.10.

Problem Stabilität beim Motorrad

Ein ABS sorgt bei einem Auto für die Lenkbarkeit der Räder. Dies ermöglicht bei Vollbremsungen Ausweichmanöver. Bei einem Motorrad gelten andere Anforderungen. Ein Motorrad-ABS muss Stürze durch blockierende Räder verhindern, also letztendlich die Fahrstabilität sicherstellen. Wenn bei einem Motorrad das Vorderrad auch nur einen Sekundenbruchteil blockiert, ist ein Sturz fast vorprogrammiert. Dies ist bei vielen Motorradfahrern unbewusst in den Köpfen, weshalb sie dann im Ernstfall zu schwach bremsen. Der andere Fall wäre,wenn der Biker überbremst, dann rutscht er unter Umständen mit blockierenden Rädern in den Unfallgegener hinein. Nur sehr geübte Fahrer sind in der Lage ein blockierendes Vorderrad sauber zu kontrollieren und scharf entlang der Blockiergrenze zu verzögern, wo der Bremsweg am kürzesten ist. (SP-X)

Hintergrund Bosch Motorrad ABS

Bosch fertigt den Blockierschutz für Motorräder seit 1994 und hat seitdem rund 750 000 Systeme verkauft. 2010 hat das Technologie- und Dienstleistungsunternehmen erstmals eine speziell für Motorräder konzipierte ABS-Generation auf den Markt gebracht und ergänzt sie zunehmend um immer leistungsfähigere Zusatzfunktionen. Die hohe sicherheitssteigernde Wirkung hat der deutsche Automobilclub ADAC im Jahr 2010 mit der Verleihung des gelben Engels in der Rubrik ‚Innovation und Umwelt' gewürdigt.

Update 14.12.2015: Erkenntnisse der ADAC Unfallforschung

Laut ADAC Unfallforschung hätten 21 Prozent aller Motorradunfälle verhindert werden können, wenn die motorisierten Zweiräder mit einem Antiblockiersystem (ABS) ausgestattet gewesen wären. Zumindest aber hätten die Unfallfolgen mit ABS gemindert werden können. Und: Sogar 45 Prozent aller Unfälle, in die nur ein Motorrad involviert war, sogenannte Alleinunfälle, wären durch ABS vermeidbar gewesen. Aufgrund der deutlich verbesserten Verkehrsicherheit durch das ABS fordert der ADAC, dass dieses Plus an Sicherheit zukünftig für möglichst alle Motorradmodelle angeboten wird. Grundlage der ADAC Unfallforschung sind unter anderem Daten und Aufnahmen der ADAC Luftrettung. Inzwischen wurden 1 507 Unfälle mit Motorradbeteiligung analysiert. Der Anteil der Alleinunfälle ist mit 47 Prozent sehr hoch. 53 Prozent der Fälle ereigneten sich mit anderen Unfallbeteiligten, dazu zählen etwa Kollisionen zwischen Motorrad und Pkw.

Faktor Mensch

Der Faktor Mensch spielt gerade beim Motorrad eine große Rolle. Wenn der Fahrer den Untergrund nicht abschätzen kann und dann aus Furcht vor einem Sturz nicht mit der optimalen Verzögerung abbremst oder wenn der Fahrer Fahrfehler wie Überbremsen oder Schreckbremsung macht, kommt es häufig zu Unfällen. Durch Fahrerassistenzsysteme wie die das ABS, die Traktions- oder Stbilitätskontrolle können Unfälle in der Regel verhindert, oder aber die Folgen verringert werden. Dies konnte im Übrigen die ADAC Unfallforschung belegen.

Wie die ADAC Unfallforschung noch herausfand werden Kollisionsunfälle, in die Motorräder verwickelt sind, häufig durch andere Verkehrsteilnehmer verursacht! Häufig nehmen Pkw-Fahrer die Motorradfahre nicht oder zu spät wahr. Die Geschwindigkeit mit der sich Motorräder den Autos nähern, wird oft unterschätzt. Der ADAC empfiehlt deshalb, dass Motorradfahrer das Bremsen mit diesem System in geeigneten Trainingskursen lernen sollten. Dabei lernen die Biker durch praktische Bremsübungen den gesamten Sicherheitsgewinn eines ABS auszuspielen.

Der ADAC rät weiterhin nicht nur mehr Motorräder mit ABS auszustatten, sondern auch die Politik müsse Fahrbahnen vor Kurven überprüfen und gegebenenfalls instand setzen und Sichtbehinderungen an Verkehrsknotenpunkten oder Kreuzungen entfernen.

Weitere Info zu Auto und Motorrad finden Sie übrigens speziell für Motorräder bei Motorrad online. Um den unmittelbaren Schutz des eigenen Körpers wie auch den des Sozius im Auge zu behalten, empfehlen sich Motorrad-Kombis, die es als Low-Budget-Variante bereits zu zirka 400€ gibt, oder als atmungsaktiven reisetauglichen Anzug zu ca. 1000€ - während es wie immer nach oben keine preislichen Grenzen gibt.

Video vom ADAC zum Motorrad ABS

 

Quelle Text und Bilder: Bosch, ADAC, Wikipedia


Johannes Wiesinger


bearbeitet: 30.05.2016

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