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Weniger Verkehrstote: Wie Motorradfahren sicherer werden soll

Die Hersteller und Entwickler von Autos, Motorrädern & Co. versprechen: Die Sicherheit im Straßenverkehr wird auch in Zukunft immer weiter steigen. Von einem besseren Crashverhalten und dem Elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) profitieren bereits die Autofahrer. Diese Verfahren sind bei den Zweirädern zwar nicht anwendbar, dafür gibt es hier aber andere innovative Sicherheitstechniken.

Motorradfahrer sind um ein Vielfaches anfälliger im Straßenverkehr als Autofahrer. Sie haben weder Knautschzone und Seitenaufprallschutz, noch eine Karosserie, die sie schützen kann. Dennoch werden sich die Techniken in Sachen Sicherheit in den nächsten Jahren so entwickeln, dass Motorradfahren immer sicherer wird. Dies könnte beispielsweise durch eine Kommunikation zwischen Auto und Motorrad stattfinden, aber auch durch Techniken wie etwa dem Totwinkel-Warner soll mehr Sicherheit beim Motorradfahren gegeben sein.

Die Technik lässt auf sich warten

Aus der Sicht eines Motorradfahrers, der zwei weiteren Bikern folgt.

Freiheit und Geschwindigkeit mit Vernunft genießen – trotz besserer Sicherheitsmaßnahmen. Quelle: Andrey Armyagov – 262752872 / Shutterstock.com

„No risk, no fun!“ Nach diesem Motto leben viele Motorradfahrer, bedenken dabei allerdings nicht, dass sie weitaus mehr gefährdet sind, bei Unfällen schwere Verletzungen davonzutragen. Die vermeintlich größere Wendigkeit eines Motorrads und die höhere Beschleunigung sind kein Garant dafür, einem Unfall zu entgehen, geschweige denn, unverletzt zu bleiben. Zwar wird permanent an neuen Sicherheitstechniken gefeilt, bis diese aber in die Praxis umgesetzt werden können, werden wohl noch einige Jahre vergehen. Der Technik stehen das eigene Können und die Verkehrsverhältnisse gegenüber. Nur mit angepasstem Fahrverhalten lässt sich maximale Sicherheit erreichen. Aus diesem Grund gibt unter anderem der ADAC entsprechende Praxistipps heraus.

  • Motorradfahrer sollten sich immer eine Maschine aussuchen, die sie beherrschen. Dazu gehört auch das problemlose Rangieren und Aufbocken.

  • Das Antiblockiersystem, kurz ABS, ist für Motorradfahrer ein unerlässlicher Sicherheitsaspekt. Zudem ist ABS ab 1.1.2017 für alle Motorräder Pflicht.

  • Bei Unsicherheiten sollten immer wieder Fahrtrainings absolviert werden. Besonders wichtig sind vor allem Bremstrainings.

  • Fahren ist nicht gleich Fahren. Die Straßen- und Verkehrsverhältnisse sind oft sehr unterschiedlich. Hierauf sollte man sich nicht nur einstellen, sondern auch üben, üben, üben. Beispielsweise durch Fahren im Berufsverkehr, Überland, auf kurvenreichen Strecken, auf Autobahnen etc.

  • Nicht zuletzt sollte immer wieder an die Vernunft der Biker appelliert werden, die Geschwindigkeit der Straßen- und Verkehrslage anzupassen und nur in einem guten körperlichen und mentalen Zustand aufs Zweirad zu steigen.

  • Jedem Motorradfahrer zu empfehlen sind die kostenlosen Broschüren des Instituts für Zweiradsicherheit (ifz) zum Sicheren Fahren mit dem Bike, zu Unfalltypen, Unfallursachen und Fahrübungen.

Neue Sicherheitstechniken

Im Vergleich zu früher ist das Motorradfahren um ein Vielfaches sicherer geworden – und wird es auch in Zukunft werden. Gerade in der jüngsten Vergangenheit kamen zahlreiche neue Sicherheitstechniken heraus:

Licht
  • LED-Module
  • Adaptives Kurvenlicht
  • LED-Tagfahrlicht
  • Dynamisches Bremslicht
Ausrüstung
  • Motorradhelm mit Head-up-Display (Infos wie Schildererkennung, Fahrgeschwindigkeit oder Speedlimiterkennung werden direkt ins Sichtfeld projiziert)
  • Zudem verfügt der Helm über eine nach vorne gerichtete Kamera, die das Verkehrsgeschehen aufnimmt, die nach hinten gerichtete dient als digitaler Rückspiegel.
Fahrverhalten / Stabilisierung
  • Anti-Schlupf-Regelung: Dabei wird kontrolliert, ob die Motorleistung auf den Asphalt gebracht werden kann. Ist dies nicht der Fall, wird die Leistung zurückgenommen und das Zweirad somit stabilisiert.
  • Motorrad-Stabilitätskontrolle (MSC): Dabei kommuniziert das System mit dem ABS und passt vor allem in Kurven die Traktionskontrolle an.
Warnungen
  • Ein Totwinkel-Warner zeigt bei Geschwindigkeiten zwischen 25 und 80 km/h Fahrzeuge an, die sich im toten Winkel befinden. Gewarnt wird dabei durch eingebaute Blinkleuchten in den Spiegeln.

Natürlich wird stetig an neuen Sicherheitsvorkehrungen getüftelt. Experten sind sich sicher: Sie werden kommen, es kann aber durchaus noch eine Weile dauern. Auf manche Sicherheitssysteme müsse man wohl noch ein paar Jahre warten, andere stehen bereits kurz vor der Verwirklichung.

  • Kommunikationssystem von Auto zu Motorrad. Dabei könne beispielsweise ein Autofahrer beim Abbiegen vor einem herannahenden Zweirad gewarnt werden.

  • Laserlicht als Zusatzfernlicht, dadurch wird die Reichweite auf rund 600 Meter verdoppelt.

  • Ein E-Call-System soll manuell aber auch automatisch einen Notruf auslösen können.

  • Eine Motorradjacke mit eingebautem Airbag scheint in der Entwicklung ebenfalls schon fortgeschritten zu sein.

Zu diesem Thema hat sich auch der Motorsport-Experte Heinz Patzelt von sportwettentest.net geäußert. Er bestätigt den Trend: „Motorradfahren ist in der Vergangenheit bereits sicherer geworden und die Freiheit die man während des Fahrens spürt ist unbeschreiblich. Aber vor allem im höheren Alter wird Motorradfahren immer sicherer werden. Neben den immer sicherer werdenden Fahrzeugen liegt der Grund vor allem in der umsichtigen Fahrweise.“

Eine Hand wäscht die andere

Motorradfahrer legt sich beim Fahren in eine Kurve.

Die Technik macht das Motorradfahren sicherer. Bildquelle: Nils Versemann – 296371520 / Sutterstock.com

Es ist leicht bei Unfällen mit Motorrädern den Fahrern die Schuld zu geben. Oft werden diese ohne nachzufragen verurteilt, schließlich sind sie schneller unterwegs und rasen durch die Gegend. Dass dies pauschal nicht gelten kann, ist klar. Es gibt überall schwarze Schafe, so auch unter den Autofahrern. Bei all den Sicherheitsmaßnahmen, die es bei Motorrädern bereits gibt und die es in Zukunft noch geben wird, sollte aber nie ein weiterer Punkt vergessen werden: Unfallrisiken müssen auch von Verkehrsplanern erkannt und entschärft werden.

Die Aufgabe der Verkehrsplaner ist es also, hier anzusetzen und die Infrastruktur entsprechend zu ändern. Das kann eine Homogenisierung der Fahrbahnoberflächen ebenso bedeuten, wie eine bessere Kennzeichnung des Straßenverlaufs oder das Anbringen von motorradfreundlichen Schutzplanken. So wird nicht nur das Risiko von Unfällen gemindert, sondern auch deren Folgen.

Trotz der immer besser werdenden Sicherheitsmaßnahmen glauben Experten, dass die Unfallstatistik in Bezug auf Motorradtote in den nächsten Jahren stagnieren wird. Der Grund ist plausibel: Während Autofahrer statistisch gesehen alle 8,8 Jahre ein neues Fahrzeug anschaffen und somit über die neueste Sicherheitstechnik verfügen, fahren Motorradfahrer ihr Gefährt im Schnitt 15,7 Jahre lang. Dass diese im Vergleich zu neuen Maschinen nicht den technischen Stand haben, liegt auf der Hand.

Quellen Bilder: Andrey Armyagov – 262752872 / Shutterstock.com Nils Versemann – 296371520 / Sutterstock.com

 

 

 

 


Autor: Johannes Wiesinger

bearbeitet: 18.07.2016









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