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Berufsausbildung im dualen System |
Hans-Dietrich
Zeuschner,10.04
Politiker
und Wirtschaftsfunktionäre sehen es anders
Massiver
Reformbedarf für das duale System der Berufsausbildung
Zufriedenheit
hier, Skepsis dort
Der beim „Parlamentarischen Abend der Wirtschaft“ von Abgeordneten
und Wirtschaftsfunktionären verbreitete
und von der Landeszeitung für die Lüneburger Heide im Beitrag
„Plädoyer für bundeseinheitliche Standards“ übermittelte
Optimismus wird von namhaften Berufspädagogen generell und angesichts der
aktuellen Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt im Besonderen durchaus nicht
geteilt.
Die
aktuelle Lage in Stadt und Land
Landesweit ist die Zahl der gemeldeten Stellen um 3,1 Prozent zurückgegangen,
bundesweit sank das Angebot im Vergleich zum Vorjahr sogar um 4,9 Prozent.
Ein Indiz für das zu knappe
Ausbildungsplatzangebot: Seit Jahren nimmt z.B. die Zahl der Höheren Handelsschüler
an den Berufsbildenden Schulen I Lüneburg stetig zu. Außerdem besuchen zurzeit
rund 140 Jugendliche sogenannte berufsvorbereitende Maßnahmen, tauchen also
nicht in der Statistik jener Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen, auf.
(Vgl. LZ vom 22.10.04)
Das
duale System selektiert
Um die Ausbildungsplätze herrscht Verdrängungswettbewerb. Abiturienten
stellen die Hauptklientel für anspruchsvolle Berufe, sowohl im kaufmännischen
Bereich als auch zunehmend, zumeist als Folge der
2. Neuordnung der Berufe, ebenfalls auf dem Sektor Industrie und
Handwerk. Hierdurch können die meisten Realschulabsolventen
ihre Berufswünsche nicht direkt verwirklichen, mit dem Erfolg, dass sie
Ausbildungsverhältnisse in Produktionsbetrieben eingehen müssen, die
traditionell Hauptschulabsolventen vorbehalten waren. Letztere müssen sich mit
dem Restangebot begnügen. Schüler mit weniger gutem oder ohne
Hautschulabschluss sowie Sonderschüler finden zumeist keinen, in großen
Ausnahmefällen einen für die übrigen Absolventen völlig unattraktiven
Ausbildungsplatz.
Das
Interesse der Industriebetriebe an dem dualen System ist gesunken
Seit Jahrzehnten war in erster Linie die Industrie
für die Anpassung des dualen Systems an
den technologischen Fortschritt und
damit seiner Weiterentwicklung verantwortlich. Seit Jahren ist die
Ausbildungskapazität der großen Industriebetriebe rückläufig, das hat nicht
nur konjunkturelle sondern ebenfalls strukturelle Gründe. Zum einen verringert
sich fortlaufend das Arbeitsvolumen im Produktionsbereich und zu anderen hat die
kostengünstigere betriebliche Einarbeitung von Absolventen von Fachschulen,
Fachoberschulen, Berufsakademien an Bedeutung zugenommen, zumal während der
betrieblichen Einarbeitungszeit innerhalb einer Gruppe Berufseinsteiger, für
den Betrieb die Möglichkeit zum Selektieren besteht.
Das
duale System bietet keine Weiterbildungsmaßnahmen an
Die berufliche Ausbildung im dualen
System ist für das Gros der Absolventen nach der Facharbeiter- bzw. Gesellen-
oder Gehilfenprüfung beendet. Maßnahmen beruflicher Weiterbildung in Betrieben
und überbetrieblichen
Institutionen werden in der Regel nur von Großbetrieben durchgeführt.
„Offenbar gelingt es Absolventen einer Lehre weniger, mit zunehmenden Alter
sich schnell wandelnden Anforderungen des Arbeitsmarktes anzupassen“ (OECD). Dadurch
steigt die Gefahr der Arbeitslosigkeit für Ausgebildete im dualen System im
Vergleich zu Hochschulabsolventen ständig an. Im Lebensalter von 55 bis
59 Jahren ist für sie das Risiko arbeitslos zu werden etwa doppelt so hoch wie
bei Akademikern.
Es
besteht akuter Handlungsbedarf für eine Reform
der Berufsausbildung im dualen System!
PS.
Dieser Beitrag beruht auf einem Leserbrief an die LZ, der, weil noch nicht veröffentlicht,
offensichtlich im Papierkorb gelandet ist.
H.-D. Zeuschner
24.11.2009
Der Fachbeitrag wurde weder gekürzt noch inhaltlich verändert. Wiesinger