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Unkosten ist Unsinn

                                                                               Hans-Dietrich Zeuschner, 11.03

Unsinn bedeutet keinen Sinn, Unheil meint kein Heil, analog dazu  bedeutet Unkosten KEINE Kosten. Daraus folgt, dass jemand, der z.B. einen Unkostenbeitrag zu leisten hat,  keinen Cent  schuldet. Vermutlich hat man dem Begriff Kosten einmal die Vorsilbe „Un“ zugeordnet, um Kosten zu negieren, als etwas Negatives zu kennzeichnen. Auf jeden Fall ist  das Wort „Unkosten“ irreführend und sollte nicht verwendet werden.

Wohl jeder Kfz-Azubi träumt von einem eigenen Kraftfahrzeug und erwartet den Zeitpunkt sehnsüchtig, an dem er hinreichend Erspartes auf seinem Konto hat, um sich seinen Traum zu erfüllen. Danach kommt häufig das große Erwachen: Es gibt Probleme beim Bestreiten der  anfallenden Kosten. Deshalb sollte jede(r) Berufsschüler(in), selbst wenn in den Richtlinien diese Lektion nicht berücksichtigt ist, zumindest eine Einführung in die Kostenkalkulation erhalten. Der Wunsch nach einem eigenen Wagen und nach der damit verbundenen Verwirklichung eines Traumes - manchmal schon aus Kindertagen - ist ein nicht selten anzutreffendes Phänomen. Diesen Traum erfüllt sich mancher durch einen dafür aufgenommenen Kredit, den einige Banken bereits an Menschen in der Ausbildung mit regelmäßigem Einkommen vergeben. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass sich anschießend die Kreditkosten zusätzlich zu den Kosten für die monatliche Unterhaltung des Fahrzeuges addieren. Dabei kann bereits eine beträchtliche Summe zusammen kommen, die nicht selten das vormals errechnete Budget übersteigt. Ein genaues Abwägen zwischen Traumverwirklichung und Schuldentilgung ist darum äußerst ratsam. Einen Autokredit aufzunehmen und damit endlich den ersten eigenen Wagen zu finanzieren: Dies sind zwei Paar Schuhe und  gestaltet sich häufig als schwieriges Unterfangen.

WAS SIND KOSTEN?

Bei jeder Produktion von Gütern (Sachgütern und Dienstleistungen) fallen Kosten an. In der Literatur findet man unterschiedliche Definitionen. Wir wollen den Begriff „Kosten“  hier verstehen als die in einer Kostenrechnung anzusetzenden Werte der für die Produktion von neuen Sachgütern und Dienstleistungen „verbrauchten“ Menge an Produktionsfaktoren z.B. Arbeit, Kapital und Natur, zuzüglich öffentliche Abgaben.

Der Verbrauch von Produktionsfaktoren ist so zu verstehen, dass diese nach dem Produktionsprozess als solche für andere Zwecke nicht mehr zur Verfügung stehen, sie sind unlösbar und unwiederbringlicher Bestandteil der produzierten Güter.

Nicht nur Betriebe produzieren Tag für Tag Güter,  jeder Autofahrer stellt ebenfalls ein Produkt her, nämlich gefahrene Kilometer, auch Haufrauen produzieren , sie verbrauchen z.B. beim Herstellen einer Mittagsmahlzeit Zutaten (Werkstoffe), Werkzeug, Arbeit und Energie, dazu die entrichtete Mehrwertsteuer. Diese Komponenten sind nach dem Produktionsprozess, wie oben angeführt, unlösbarer und unwiederbringbarer Bestandteil des Gerichts im Kochtopf. Der Wert der verarbeiteten  Komponenten wird in Geld ausgedrückt und summiert  und eben diesen Vorgang nennt man Kostenkalkulation.

WIE KALKULIERT MAN KOSTEN?

Die Antwort ist eigentlich recht simpel: Man ermittelt alle Elemente, die die Kosten beeinflussen, die so genannten Kostenelemente, trägt sie zusammen und verknüpft sie danach mit Hilfe eines zweckmäßig konstruierten Kalkulationsschemas.   

Generell besteht  u.a. für Kraftfahrzeuge die Möglichkeit  ISTkosten  oder SOLLkosten zu kalkulieren.  Im ersten Fall geht man von allen, aber wirklich von allen,  tatsächlich angefallenen einzelnen Kosten z.B. für die Produktion von gefahrenen Pkw-Kilometern aus. Hierauf beruht die nachstehende Kalkulation für meinen Pkw. Bei der SOLLkalkulation berücksichtigt man Schätz- und Erfahrungswerte, die man  der einschlägigen Literatur, z.B. dem EUROPA-Tabellenbuch Kraftfahrzeugtechnik entnehmen kann. Dort findet man u.a. Formeln zur Berechnung des festen Anteils der Abschreibung, der die Wertminderung durch Altern berücksichtigt, bzw. zur Berechnung des veränderlichen Anteils der Abschreibung, der auf der Wertminderung durch Abnutzung beruht. Außerdem sind  dort Kalkulationswerte für Gesamtfahrleistungen, Kraftstoffverbrauch, Ölverbrauch und Reifenleistungen sowie die zur  Berechnung erforderlichen Formeln angegeben.

Stets sollte man bedenken, dass jede Kalkulation  nur so gut ist, wie die Vollzähligkeit und Exaktheit der berücksichtigten Kostenelemente. Mit Schätzen läuft man Gefahr, sich, wie der Volksmund sagt, in die eigene Tasche zu lügen.

EINE BEISPIELKALKULATION  VON  Kfz- ISTKOSTEN                                                                      

Kostenelemente: Beschaffungswert (Anschaffungspreis, Anmelden, Kennzeichen ): 47.398,81DM  - aktueller Wiederverkaufswert: 12000 €  -   10 Jahre alt     Gefahrene Strecke:  90123 km  -  Verbrauch Ø: 8,6 l/100km  -  Kraftstoffpreis  zwischen 1,54 DM/l und 1,06 €/l   

Der Wagen ist Werkstatt gepflegt. Die  in  fünf  Jahren  angefallenen Rechnungsbeträge:

Art Lohnarbeiten DM Material, Ersatzteile DM Rechnungsbetrag  DM
Wartung  1965,12 2657,88 4623
Reparatur  519,19  728,81 1248 
Reifen  ….  ….  2550
TÜV, ASU  ….   ….  283

Weitere Posten:

Kfz-Versicherung, kpl. …. …. 559 DM/J. 
Kfz-Steuer  …..  ….  264 DM/ 1/2J. 
Garagenmiete .…. ….  616 DM/J. 

Berechnung:

FESTE KOSTEN  € / Jahr
Steuer   264
Versicherungen  279,5
Unterstellung 308
Anteil Abschreibung (47324 DM - 24000DM) :5 J. 2339,8 
Ausgaben für Kredit ./.
Sonstige       (TÜV, ASU) 28,3
   
Summe  gerundet:  3220

 

VERÄNDERLICHE KOSTEN   € / km
Reifen 0,00283
Kraftstoff (8,6 l / 100 km x 0,915 €/l)  0,07869
Wartung, Pflege  0,00512
Reparatur  0,00138
Anteil Abschreibung  ./.   
Sonstige ./.
   
Summe  gerundet: 0,09

                                                            

GESAMTKOSTEN

Feste Kosten + Veränderliche Kosten =         4842  €uro pro Jahr

Feste Kosten + Veränderliche Kosten =         0,27  €uro pro gefahrene Kilometer

So sollte man sich einig werden:

Angenommen, jemand hätte  mich gebeten, ihn auf eine Fahrt von 250 km in meinem Pkw mitzunehmen, und hätte mir danach unaufgefordert 20€ Kostenbeteiligung erstattet.

Frage: Wäre dieser Betrag angemessen bzw. kostendeckend gewesen?

Meine nachstehende Beispielkalkulation (siehe Tabelle) gibt folgende Auskunft:

Kraftstoffkosten: 0,08 €/km  entspricht   20 €/250km
Veränderliche Kosten: 0,09 €/km entspricht  22,5 €/250 km
Gesamtkosten: 0,27 €/km  entspricht 67,5 €/250 km

Antwort: Der Mitfahrer hätte  mit dem erstatteten Betrag

gedeckt.

Empfehlung: In jedem Falle sollte man in derartigen Fällen mindestens die Veränderlichen Kosten unter allen Insassen aufteilen, weil die Festen Kosten sowieso anfallen, ganz gleich ob  „Gefahrene Kilometer“ produziert werden oder nicht.     


Tipps zur Verringerung der Betriebskosten

und zur Reduzierung der Umweltbelastung

 

Die veränderlichen Kosten für Reifen, Kraftstoff, Wartung, Pflege, Reparatur korrespondieren miteinander und müssen daher im Zusammenhang gesehen werden. Lediglich zur Vereinfachung sind  in der nachstehenden Auflistung die Kraftstoffkosten in den Mittelpunkt der Betrachtungen gerückt worden.

Verbunden mit höherem Kraftstoffverbrauch ist stets  eine höhere Umweltbelastung.  Deshalb sind die nachstehenden Tipps nicht nur im Hinblick auf eine Reduzierung der Betriebskosten sondern insbesondere ebenfalls als ein Beitrag zum Umweltschutz anzusehen.

fährt. (lt. ADAC)

            Andernfalls steigen ihre Kraftstoff- sowie Ihre Reparaturkosten.

Der Motor Ihres Fahrzeugs arbeitet im Teillastbereich bei etwa zwei Drittel bis drei Viertel Nenndrehzahl  am wirtschaftlichsten. Wenn Sie bei Autobahnfahrt 20% unter der möglichen Höchstgeschwindigkeit bleiben, können Sie allein die Kraftstoffkosten auf 70% reduzieren.

Der gleiche Effekt wird durch Lückenspringen erreicht. Die eingesparte Zeit muss mit deutlich höherem Kraftstoffverbrauch bezahlt werden. Bei einem ADAC-Versuch über 28km mit 32 Ampeln ist ein Zeitgewinn von 7 Minuten mit

zusätzliches Risiko bezahlt worden.

(Quelle: Bundesministerium des Inneren)

(siehe auch den Bericht Spritsparende Fahrweise)

Im Jahr 1962 besaß lediglich jeder vierte Haushalt in der Bundesrepublik Deutschland mindestens einen Pkw, 31 Jahre später waren es 75% der Haushalte. Seit 1996  würden alle Einwohner Deutschlands auf den Vordersitzen aller angemeldeten Pkw Platz finden. Durch diese Entwicklung  sind die volkswirtschaftlichen Kosten durch den Flächenverbrauch für die Verkehrsinfrastruktur, den Energieverbrauch, die Luftverschmutzung, den Verkehrslärm sowie die Kosten infolge von  Verkehrsunfällen (Sachschäden, Verletzte und Todesopfer)  ständig gestiegen und müssen in diesem Zusammenhang erwähnt werden.


VOM PKW ZUM KRAD – eine Übung für Berufsschüler

   Nur wenige Kfz-Mechaniker- Azubis und -Azubinen werden sich als erstes Fahrzeug einen Pkw leisten können. Der Start in das motorisierte Leben beginnt in den meisten Fällen mit einem Motorrad. Herr Wolfgang Metzele (webmaster@metzele.de) hat mir freundlicher Weise die nachfolgend aufgeführten Informationen zur Verfügung gestellt.

Auf eine Kalkulation der ISTkosten wird diesmal verzichtet, um interessierten Lesern, insbesondere BerufsschülerInnen  die Gelegenheit zu bieten, mit den relevanten Kostenelementen unter Zuhilfenahme des vorstehenden Kalkulationsschemas  die festen Kosten, die veränderlichen Kosten, sowie die Betriebskosten pro Jahr bzw. pro gefahrene Kilometer selbständig zu ermitteln.

Außerdem kann mit den Zahlen eine Strukturgrafik nach der o.a. Vorlage  angefertigt werden.

Es handelt sich um eine R1100 GS, Baujahr 1995, gefahren in der Zeit von Mai´96 bis März´00

Betriebskosten

Kilometer  27.060 km
Verbrauch
Durchschnitt 5,6 l/100km
Minimal   4,8 l/100km
Maximal 6,8 l/100km
Reichweite
Minimal  321 km
Maximal  451 km
Ausgaben
Benzin 2.518 DM
Reifen 2.143 DM
Wartung 2.071 DM
Verschleißteile 352 DM
Reparatur 415 DM
Steuern   632 DM
Versicherung 1.462 DM
Wertverlust     (vom Autor eingefügt)   0,17 DM/km

Hans-Dietrich Zeuschner


Der Bericht wurde weder inhaltlich noch in seine Länge verändert. Auch wenn es  mittlerweile keine DM mehr gibt, bleibt der Bericht trotzdem "aktuell".

27.09.2010

Wiesinger