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Ein
neuer Kfz-Beruf |
H.-D.
Zu
meinem großen Erstaunen fand ich heute in der Tageszeitung die
Berufsbezeichnung Kraftfahrzeugservicemechaniker/KraftfahrzeugservicemechanikerIn.
Die
Internetrecherche auf den Seiten des Berufsbildungsinstituts und der
Arbeitsverwaltung unter dieser Berufsbezeichnung ergab Fehlanzeige. Erst nach
intensiver Suche auf den Seiten des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Arbeit wurde ich fündig, hier die relevante Meldung in Auszügen:
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PRESSEMITTEILUNG Neue
Berufe - Neue
Ausbildungschancen Datum:
2.8.2004 Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres am 1.
August stehen Jugendlichen neue und bessere Möglichkeiten bei der Wahl
ihres Ausbildungsplatzes offen. Für die stärker praktisch Begabten
wurden weitere zweijährige Ausbildungsberufe geschaffen und bestehende
Ausbildungsordnungen von überflüssigem Ballast befreit. Hierzu Bundeswirtschafts- und
-arbeitsminister Wolfgang Clement: “Mit den neuen Ausbildungsmöglichkeiten
tun wir einen weiteren Schritt zur Verbesserung der Chancen der jungen
Menschen am Ausbildungsmarkt. Die neuen zweijährigen Ausbildungsgänge
machen das Ausbilden attraktiv auch für mittelständische Betriebe, für
die eine dreijährige Ausbildung zu aufwändig ist. Wir müssen alle
Wege gehen, die junge Menschen in eine berufliche Zukunft führen.“ ……………….. 3.
Kraftfahrzeugservicemechaniker/ Kraftfahrzeugservicemechanikerln Bei der neuen zweijährigen Ausbildung zum
Kraftfahrzeugservicemechaniker/ zur Durch die Zusammenführung der Kfz-Elektronik und der
Kfz-Mechanik im dreieinhalbjährigen Beruf Die zweijährige Berufsausbildung zum
Kraftfahrzeugservicemechaniker wird in Kammerbezirken angeboten, In denen
die Fortsetzung der Ausbildung in einem drei- oder dreieinhalbjährigen
Ausbildungsberuf der Kfz- Berufe sichergestellt ist. Als
Fortsetzungsberufe kommen in Betracht: Kraftfahrzeugmechatroniker
Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker Mechaniker für Karosserieinstandhaltungstechnik Land- und Baumaschinenmechaniker Mechaniker für Reifen- und Vulkanisationstechniker
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Die
meiner Ansicht nach besonders interessanten Passagen habe ich unterstrichen. Sie
sprechen für sich und müssen daher nicht kommentiert werden.
Alles
nur eine Frage der äußeren und inneren Differenzierung?
Diese,
angeblich „das Ausbilden auch attraktiv für mittelständische Betriebe“
(s.o.) machende, Neuerung
wirft ad hoc eine Menge Fragen auf:
- die Ausbildung weitgehend betriebsspezifisch d.h. situativ und zufällig
ausgerichtet ist,
- die Einhaltung der Ausbildungspläne sich eher schwierig gestaltet,
- die konsequente Verfolgung der Ziele der ersten Neuordnung der Metallberufe
von 1989 zu wünschen
übrig lässt,
- die berufstheoretische Qualifikation lediglich in geringem Umfang betrieben
wird?
usw
Wie
soll die zweispurige Ausbildung in den Berufsschulen gestaltet werden,
- mit lediglich ein- oder zweizügigen Kfz-Zweigen,
- mit vorgeschriebenen Größen für Klassen- bzw. Gruppenfrequenzen,
- mit Fachlehrer- und/oder Fachraumplatzmangel,
- mit den völlig überfrachteten Lehrplänen für Kfz-Mechatroniker,
- mit den in jüngster Zeit z.B. in Niedersachsen verstärkt erarbeiteten breit
angelegten Projekten,
- mit Anlernlingklassen evtl. inhomogen zusammengesetzt, im Hinblick auf die
Berufe, zur Erfüllung der
zwölfjährigen Schulpflicht?
- usw.
Was
bringen die Tarifverhandlungen in der Gegenwart und nach der Abschlussprüfung
für die Anlernlinge?
Wie
werden die Prüfungsausschüsse die zeitlichen und inhaltlichen Probleme
meistern?
usw.
Die
geringsten Probleme dürfte es nach meinem Dafürhalten bei der überbetrieblichen
Ausbildung geben, da die Kurse fachsystematisch aufgebaut sind.
Der
„überflüssige Ballast“ (s.o.) in der bestehenden Ausbildungsordnung für
Kfz-Mechatroniker besteht, wenn man den eingangs angeführten Angaben des BMWI
folgt, in dem
Block „elektronische
Steuerungs- Navigations- und Sicherheitssysteme“. Ein modernes Kraftfahrzeug
besteht nicht nur, wie unten vom BMWI angegeben „aus mechanischen und
elektronischen Bauteilen“ sondern ist ein vernetztes System mit mechanischen,
hydraulischen, pneumatischen, elektrischen und elektronischen Baugruppen! Sowohl
die Fehlerdiagnose als auch die Reparatur von Mängeln und Schäden erfordert
Baugruppen übergreifende Kenntnisse und Fertigkeiten. Eine schmalspurige
Ausbildung macht Kfz-Servicemechaniker a priori zu Hilfsarbeitern.
Hier die beiden Tätigkeitsbeschreibungen des
BMWI im Wortlaut
zum Vergleich:
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Was machen Kraftfahrzeugmechatroniker?
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>>Was
machen Kraftfahrzeugservicemechaniker?
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Die
vorstehende Tätigkeitsbeschreibung korreliert
stark mit den in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts gültigen
Vorschriften für Betrieb und Schule. Sollen dort jetzt die überholten Lehrpläne
und die alte Ausbildungsordnung reaktiviert werden?
Das
Rad fünfunddreißig Jahre zurück gedreht
Die
Einführung der zweijährigen Ausbildungsgänge geht, wie oben vom zuständigen
Bundesminister gesagt wird, „auf eine Initiative der Branche selbst zurück……“.
Sie bedeutet einen Rückfall in die Zeit
Ab
heute gibt es wieder Anlernberufe neben Ausbildungsberufen nach BBiG, weil die
zweijährigen Anlernberufe nicht der in §1 Absatz 2 BBiG formulierten
Definition genügen.
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Berufsbildung
(1) Berufsbildung im Sinne
dieses Geset-
zes
sind die Berufsausbildung, die beruf- liche
Fortbildung und die berufliche Um- schulung. (2)
Die Berufsausbildung hat eine breit
angelegte berufliche
Grundbildung und die
für die Ausübung einer
qualifizierten beruf-
lichen Tätigkeit notwendigen
fachlichen
Fertigkeiten und Kenntnisse in
einem geordneten
Ausbildungsgang zu vermit- teln.
Sie hat ferner den Erwerb der erfor- derlichen
Berufserfahrungen zu ermög- lichen.
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Der Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit nimmt
Stellung:
Es gibt keine Probleme bei den Betrieben, Berufsschulen
und den zuständigen Stellen
Sehr geehrter Herr Zeuschner,
beigefügt die Stellungnahme des BMWA zu Ihrem Aufsatz.
MfG - Heinz Ackermann
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Ackermann, Heinz, VIIIB6
Gesendet am: Montag, 9. August 2004 10:16
An: Kemper, Marita, VIIIB6/VIIIB7
Cc: Ulrich, Rita, VIIIB6; Holterhoff, Friedhelm, VIIIB6
Betreff: AW: Kontaktformular: Zweijährige Anlernberufe
Sehr geehrter Herr Zeuschner,
zu Ihrer Mail äußere ich mich als Verordnungsgeber von Ausbildungsberufen der gewerblichen Wirtschaft wie folgt:
Ich halte Ihre Anmerkungen zu dem neuen Ausbildungsberuf "Kraftfahrzeug-Servicemechaniker" für relativ einseitig und möchte Sie bitten, diese bei einer Veröffentlichung zu relativieren und folgende Aspekte mit einzubeziehen:
Bei dem Beruf handelt es sich nicht um einen "Anlernberuf" sondern um einen formell
gleichwertigen Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz und der Handwerksordnung, der die Kriterien zur Schaffung von Ausbildungsberufen vollständig erfüllt. Insbesondere enthält das Berufsbild genügend eigenständige Qualifikationen, die auf eine eigenverantwortliche und vom Lebensalter unabhängige Tätigkeit angelegt sind.
Der Beruf wurde auf Initiative des Kraftfahrzeugverbandes NRW und der IG Metall, Bezirk NRW, von Bundessachverständigen erarbeitet und findet somit Rückhalt in Großen Teilen der Wirtschaft. Er führt auch nicht in eine "berufliche Sachgasse", da der Aufstieg in einen anderen fahrzeugtechnischen Beruf bei großzügiger Anrechung der Ausbildungszeit möglich ist.
Sie wissen sicherlich auch, wie es derzeit auf den Ausbildungsmarkt bestellt ist. Insbesondere Jugendliche mit schlechteren Startchancen (Probleme im theoretischen Bereich) sind besonders betroffen. Für diese Jugendliche bietet dieser Beruf eine Perspektive, auch zu einem qualifizierten Abschluss zu kommen.
Ich gehe davon aus, dass diejenigen, die mit der Durchführung der Ausbildung betraut sind (Betriebe, Berufsschulen, zuständige Stellen), die Ausbildungsverordnung in der erforderlichen Art und Weise wie bei anderen Berufen umsetzen werden.
MfG - Heinz Ackermann
Wiesinger überarbeitet 24.11.2009